Umformtechnik

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·12 Min. Lesezeit

Umformtechnik ist die Hauptgruppe 2 der DIN 8580: Ein fester Körper bekommt durch plastisches Verformen eine neue Form, Masse und Stoffzusammenhalt bleiben erhalten, es wird nichts abgetragen und nichts hinzugefügt. Die DIN 8582 teilt die Verfahren nach dem Spannungszustand im Werkstück in fünf Gruppen, geregelt in DIN 8583 bis DIN 8587. Isolierstoffe federn beim Biegen weit stärker zurück als Blech, weil das Verhältnis von Streckgrenze zu E-Modul bei PET-Folie rund 20- bis 30-mal höher liegt als bei Stahl. Deshalb wird Isolierfolie gerillt, gefalzt oder warm geformt, nicht abgekantet. Dieser Beitrag erklärt die Normsystematik, die Physik der Rückfederung und die Verfahren, mit denen GOBA Stanz- und Biegeteile aus Isolierstoffen fertigt: Falzkanten im selben Stanzhub vorgeprägt, Isolierteile von 0,023 bis 3,0 mm Dicke in Formaten bis 1.000 x 2.000 mm, komplexe Geometrien unter Wärme verformt.

Massivumformung oder Blechumformung: wo Isolierstoffe in der Systematik stehen

In der Ordnung der DIN 8580 hat das Umformen zwei Nachbarn, die sich am Zusammenhalt des Werkstoffs unterscheiden: Urformen erzeugt ihn erst, etwa beim Gießen oder Extrudieren, Trennen hebt ihn örtlich auf, etwa beim Stanzen. Die vollständige Ordnung der sechs Hauptgruppen steht im Beitrag zur DIN 8580.

Innerhalb der Hauptgruppe 2 unterscheidet die Fachwelt zwei Familien. Die Massivumformung bearbeitet Werkstücke, die in allen drei Richtungen ähnlich groß sind, also Schmiedeteile, Strangpressprofile und Walzgut. Die Blechumformung bearbeitet Flachmaterial mit gleichbleibender Wanddicke, das gebogen, gezogen oder geprägt wird. Alles, was wir bei GOBA umformen, gehört in die zweite Familie: Folien, Papiere und Laminate mit Dicken von 0,023 bis 3,0 mm, die vor dem Umformen als Bahn oder Format vorliegen.

Die fünf Gruppen der Umformverfahren nach DIN 8582

Die DIN 8582 ist die Rahmennorm der Hauptgruppe 2. Sie sortiert die Umformverfahren nach der Beanspruchung, die die Umformung vorwiegend bewirkt. Daraus entstehen fünf Gruppen mit je einer eigenen Folgenorm. Eine sechste Gruppe gibt es nicht; das gelegentlich genannte Freiformschmieden ist ein Verfahren des Druckumformens.

Nr.GruppeNormVorherrschende BeanspruchungBeispielverfahrenBei Isolierstoffen
2.1DruckumformenDIN 8583DruckWalzen, Gesenkschmieden, Strangpressen, Eindrücken (Prägen)Rillen und Prägen von Sicken, Vorprägen von Falzkanten
2.2ZugdruckumformenDIN 8584Zug und Druck aus verschiedenen RichtungenTiefziehen, Durchziehen, Drücken, KragenziehenTiefziehen von Folienkappen unter Wärme
2.3ZugumformenDIN 8585ZugLängen, Weiten, Tiefen (Streckziehen)Vorstrecken beim Thermoformen
2.4BiegeumformenDIN 8586BiegungFreibiegen, Gesenkbiegen, Schwenkbiegen, Rundbiegen, BördelnFalzen, Biegen, Bördeln des Kragens an Nutisolationen
2.5SchubumformenDIN 8587SchubVerschieben, Verdrehenkommt bei Flachmaterial praktisch nicht vor

Die DIN 8586 unterteilt das Biegeumformen weiter nach der Werkzeugbewegung: geradlinig wie beim Freibiegen, drehend wie beim Schwenkbiegen. Für Isolierteile aus Flachmaterial ist diese Gruppe die wichtigste der fünf, die Gruppe 2.1 kommt als Rillen und Prägen hinzu, die Gruppen 2.2 und 2.3 nur beim Warmformen räumlicher Teile.

Wie Umformen physikalisch funktioniert: Fließgrenze, Dehnung und Rückfederung

Jeder feste Werkstoff verformt sich unter Last zunächst elastisch. Nimmt man die Last weg, geht er in seine Ausgangsform zurück. Erst oberhalb der Fließgrenze, bei Metallen Streckgrenze genannt, beginnt die plastische Verformung, die bleibt. Umformen bedeutet deshalb, den Werkstoff gezielt über seine Fließgrenze zu bringen, ohne die Bruchdehnung zu erreichen. Der Spielraum zwischen diesen beiden Werten ist die Umformbarkeit: Ein Werkstoff mit niedriger Fließgrenze und hoher Bruchdehnung lässt sich leicht umformen, ein spröder Werkstoff mit kleinem Abstand zwischen beiden reißt vorher.

Beim Biegen wird die Außenseite der Biegung gedehnt, die Innenseite gestaucht. Dazwischen liegt die neutrale Faser, die ihre Länge behält. Nach dem Öffnen des Werkzeugs bleibt der plastische Anteil der Verformung stehen, der elastische Anteil kehrt zurück. Dieses Zurückkehren heißt Rückfederung, und es verschiebt den Winkel jedes gebogenen Teils. Wie stark, hängt an einem einzigen Verhältnis: der Fließgrenze geteilt durch den E-Modul.

WerkstoffE-ModulFließgrenzeVerhältnis Fließgrenze zu E-ModulRechnerische Rückfederung bei 90°, Innenradius gleich Dicke
Baustahl S235rund 210.000 MPa235 MParund 0,001rund 0,5°
PET-Folie, biaxial gerecktrund 3.500 MParund 100 MParund 0,03rund 10°

Die Rechnung nutzt den Rückfederungsfaktor der Blechumformung, k gleich 1 durch 1 plus 3 mal (Fließgrenze durch E-Modul) mal (Innenradius durch Dicke plus 0,5), wie ihn Handbücher zur Umformtechnik angeben. Für Kunststoffe liefert sie nur eine Größenordnung, weil Polymere zusätzlich zeitabhängig kriechen. Die Größenordnung genügt, um das Kernproblem zu sehen: Ein 90°-Winkel in Stahl bleibt beim Freibiegen fast stehen, derselbe Winkel in einer PET-Folie öffnet sich um zweistellige Gradzahlen. Der E-Modul der Folie stammt aus dem Datenblatt der Mylar A in 0,25 mm (3,5 GPa nach DuPont Teijin Films), die Streckgrenze ist ein Bereichswert.

Kalt-, Halbwarm- und Warmumformen

Bei Metallen setzt die Norm die Grenze über die Rekristallisationstemperatur. Kaltumformen läuft darunter, meist bei Raumtemperatur, und verfestigt den Werkstoff. Warmumformen läuft darüber, bei Stahl bis rund 1.200 °C, das Gefüge bildet sich während der Umformung neu. Halbwarmumformen liegt bei Stahl zwischen 500 und 900 °C und verbindet die Maßhaltigkeit des Kaltumformens mit niedrigeren Umformkräften.

Bei Thermoplasten gibt es keine Rekristallisation. An ihre Stelle treten der Glasübergang, ab dem die Molekülketten beweglich werden, und der Kristallitschmelzpunkt, ab dem der Werkstoff fließt. Bei PET liegt der Glasübergang bei rund 70 °C, der Schmelzpunkt bei 250 bis 260 °C. Dazwischen liegt das gummielastische Fenster, in dem Warmformen funktioniert; Herstellerleitfäden nennen für PETG-Platten 140 bis 170 °C. Wer eine teilkristalline Folie zu kalt umformt, friert Restspannungen ein, die sich bei der nächsten Erwärmung im Motor lösen: Das Teil stellt sich zurück. Eine gereckte PET-Folie bringt zusätzlich ihren Schrumpf mit, bei Mylar A rund 1,5 % nach 30 Minuten bei 150 °C. Duroplaste haben kein solches Fenster und lassen sich gar nicht umformen; den Unterschied im Aufbau erklärt der Beitrag zu Thermoplasten.

Umformtechnik für Isolierstoffe: warum Folie und Papier anders reagieren als Blech

Ein Blech fließt an der Biegekante plastisch und bleibt dort. Ein Isolierstoff tut das nur unter Bedingungen, und welche das sind, hängt an seiner Werkstofffamilie. Thermoplastische Folien speichern die Verformung elastisch und federn zurück. Faserwerkstoffe wie Aramidpapier und Pressspan verformen sich plastisch, brechen aber an der Faser, wenn der Radius zu eng wird. Duroplastische Laminate verformen sich gar nicht plastisch. Diese drei Verhaltensweisen bestimmen, welches Verfahren aus der DIN 8582 überhaupt infrage kommt.

IsolierstoffVerhalten beim UmformenGeeignetes VerfahrenGrenze
Polyesterfolie (Hostaphan, Mylar)starke Rückfederung, Schrumpf rund 1,5 % bei 150 °CRillen, Falzen mit Überbiegung, WarmformenKanten bleiben nur mit Rille oder Wärme formstabil
Polyimidfolie (Kapton)zäh, hohe Bruchdehnung, kein SchmelzpunktFalzen und Rillen, auch enge RadienWarmformen entfällt, die Folie erweicht nicht
Aramidpapier (Nomex 410)anisotrop, Dehnung 16 bis 22 % längs, 13 bis 18 % quer zur FaserFalzen und Bördeln entlang der Faser, Radius ab dem Fünffachen der Dickebricht quer zur Faser bei zu engem Radius
Pressspansteif, wird mit Feuchte biegsamerFalzen, Prägen, Rillenkeine tiefen Züge, bricht trocken an der Kante
Laminate DMD, NMN, NKNfolgen dem schwächsten Partner im VerbundRillen, FalzenAußenlage spaltet sich bei zu engem Radius ab
Duroplast-Laminate (Hartpapier, Hartgewebe, GFK), Glimmer, Glasgewebekeine plastische Dehnungnur Trennen: Stanzen, Schneidennicht umformbar

Biegen von Isolierfolie: Rille und Falz statt Abkanten

Weil eine Folie beim freien Biegen zurückfedert, bereiten wir die Kante vor, statt sie zu erzwingen. Eine Rille drückt den Querschnitt auf der Biegelinie gezielt zusammen, das ist Druckumformen nach DIN 8583. Das Teil knickt dann genau dort, der Radius liegt fest, und die Rückfederung sinkt, weil der Querschnitt an der Rille plastisch verdichtet ist. Vier Wege senken die Rückfederung zusätzlich, und in der Serie werden sie kombiniert:

  1. Überbiegen, also den Werkzeugwinkel enger stellen, als die Zeichnung verlangt
  2. Nachdrücken in der Biegezone, das die Kante plastisch prägt
  3. Verweilzeit im Werkzeug, weil Polymere unter Last relaxieren
  4. Wärme, die die Molekülketten beweglich macht und die Form einfriert

Die Rille hat einen Preis. Sie dünnt den Werkstoff an der Kante aus, und damit sinkt dort die Durchschlagfestigkeit. Eine gerillte Kante gehört deshalb an den Rand des Teils oder in eine Zone, in der die Isolationsstrecke mehrlagig ist, nie in die Hauptisolationsstrecke. Welcher Radius für welchen Werkstoff mindestens nötig ist, steht im Beitrag zum Mindestbiegeradius, wie die fertigen Biegeteile vermessen werden, im Artikel dazu. Ein Hinweis zur Begriffsverwirrung: Die Biegelinie ist in der Fertigung die markierte Linie, an der gekantet wird; in der technischen Mechanik beschreibt die Biegelinie die Durchbiegung eines Balkens.

Die Faserrichtung entscheidet bei Papieren über die Kante

Aramidpapier und Pressspan entstehen auf einer Papiermaschine, und ihre Fasern liegen bevorzugt in Maschinenrichtung. Das Datenblatt zu Nomex 410 zeigt, wie groß der Unterschied ist: In 0,25 mm trägt das Papier längs 296 N/cm und quer 161 N/cm, die Dehnung liegt längs bei 22 % und quer bei 18 %, die Weiterreißkraft ist quer zur Faser rund doppelt so hoch wie längs. Der Hersteller weist selbst darauf hin, dass die Orientierung des Papiers je Anwendung zu wählen ist.

Für das Falzen heißt das: Eine Kante parallel zur Faser hält, dieselbe Kante quer zur Faser reißt bei engem Radius auf. Sobald ein Teil mehr als eine Biegekante hat, gehört die Laufrichtung auf die Zeichnung. Fehlt sie, legen wir sie beim Zuschnitt so, dass die Hauptbiegung günstig liegt, und dokumentieren das im Muster. Feuchte hilft bei Faserwerkstoffen: Nomex 410 gewinnt mit steigender Luftfeuchte an Dehnung und Weiterreißfestigkeit, Pressspan wird biegsamer. Ein knochentrocken gelagertes Papier bricht an der Kante, wo dasselbe Papier im Normalklima hält.

Prägen, Tiefziehen und Thermoformen von Folien

Prägen ist Druckumformen: Ein Stempel drückt Sicken, Rippen oder Positionierhilfen in die Fläche, das Teil wird steifer, ohne dicker zu werden. Tiefziehen und Thermoformen gehören zum Zugdruck- und Zugumformen und laufen bei Folien unter Wärme. Die erwärmte Folie wird durch Vakuum mit rund 1 bar oder mit Druckluft von 7 bis 10 bar an die Form gelegt. Drei Effekte bestimmen das Ergebnis, und alle drei stehen selten auf der Zeichnung:

  • Die Wand wird dünner, weil sich das Material auf die größere Fläche des Formteils verteilt. Wer an der tiefsten Stelle eine bestimmte Isolierdicke braucht, wählt die Ausgangsdicke entsprechend höher.
  • Das Teil schwindet beim Abkühlen, bei thermoplastischen Halbzeugen um 1 bis 3 %, vor allem in Reckrichtung. Das Werkzeugmaß ist deshalb nie das Teilemaß.
  • Enge Kantenradien reißen. Beim Warmbiegen von Platten gilt als Untergrenze etwa die doppelte Wanddicke, bei Ecken je nach Werkstoff das Ein- bis Dreifache.

Bei gereckter PET-Folie kommt eine Besonderheit hinzu. Ihre Festigkeit stammt aus der biaxialen Reckung, die bei 200 bis 230 °C thermofixiert wurde. Warmformen muss oberhalb des Glasübergangs bleiben, aber unterhalb des Bereichs, in dem diese Reckung zurückgeht. Was daraus entsteht, sind Kappen, Wannen und Schalen, die der Beitrag zu Formteilen beschreibt; wie viel Dicke an der Ziehstelle übrig bleiben muss, ordnet der Beitrag zur Werkstoffdicke ein.

Welche Umformverfahren GOBA für Isolierteile einsetzt

Wir formen Isolierstoffe seit 1959, und die Verfahren dafür sind eine kleine Auswahl aus der DIN 8582. Das Werkzeug, das die Kontur stanzt, prägt bei uns im selben Hub die Falzkanten vor; das gilt für den kostengünstigen Bandstahlschnitt ebenso wie für das Vollstahlwerkzeug, das wir bei engen Toleranzen und hohen Stückzahlen einsetzen. Die Details zu Werkzeugen und Ablauf stehen unter Stanzen und Formen.

Verfahren bei GOBAGruppe nach DIN 8582Typische WerkstoffeSo läuft es in der Fertigung
Rillen und Vorprägen von Falzkanten2.1 DruckumformenPolyesterfolie, Laminate, Pressspanim selben Stanzhub wie die Kontur, Bandstahlschnitt oder Vollstahlwerkzeug
Falzen und Biegen2.4 BiegeumformenPressspan, Aramidpapier, LaminateWinkel wird am Muster über die Rückfederung eingestellt, Lieferform planliegend oder vorgebogen
Bördeln2.4 BiegeumformenAramidpapier, Laminate, PolyesterfolieKragen an Nutisolationen, die das Teil in der Nut sichern
Prägen von Sicken und Strukturen2.1 DruckumformenPolyesterfolie, PressspanVersteifung und Positionierhilfe, gleichmäßige Prägung über die Lebensdauer
Warmverformen komplexer Geometrien2.2 und 2.3 unter WärmePolyesterfolie, LaminateEinpassung in das Blechpaket des Kunden, Oberfläche und Struktur bleiben unbeschädigt

Die Grenzen unserer Fertigung liegen bei 0,023 bis 3,0 mm Materialdicke und 1.000 x 2.000 mm Format. Verarbeitet werden Hostaphan und Mylar, Nomex, Kapton, Pressspan, die Laminate DMD und NMN sowie Glasfaser- und Glimmerprodukte; die Übersicht dazu steht unter Isoliermaterialien. Geliefert wird planliegend, vorgebogen, selbstklebend oder als Kiss-Cut auf Trägerliner, auf Wunsch gestapelt oder paketiert, in einzelnen Projekten mit Marker-Linien, an denen die Sensorik in der Kundenmontage das Teil erkennt. Die fertigen Stanz- und Biegeteile gehen in Elektromotoren, Batteriemodule, Gerätebau und Lüftungstechnik.

Genauso klar sind die Grenzen. Massivumformung und Blechumformung bieten wir nicht an, wer Kantteile aus Stahl sucht, braucht eine Blechbearbeitung. Duroplast-Laminate wie Hartpapier und Hartgewebe sowie Glimmer- und Glasgewebeprodukte werden bei uns gestanzt oder geschnitten, aber nie gebogen, weil ihre vernetzte Struktur keine plastische Dehnung zulässt und an der Kante bricht. Polyimidfolie falzen wir kalt, ein Warmformen entfällt, weil der Werkstoff keinen Erweichungsbereich hat.

Kann man Isolierfolie überhaupt maßgenau biegen?

Der Einwand aus der Konstruktion lautet: Ein Werkstoff, der um zehn Grad zurückfedert, taugt nicht für einen tolerierten Winkel. Die Antwort ist ja, mit zwei Bedingungen. Erstens entsteht der Winkel über eine Musterschleife, in der das Werkzeug so weit überbiegt, bis das Teil nach dem Rückfedern im Maß liegt; diese Einstellung wird am Muster gefunden, nicht berechnet. Zweitens braucht ein weiches Teil ein vereinbartes Messverfahren, weil es unter Anpressdruck anders liegt als frei. Wir messen Winkel ohne Anpressdruck und prüfen Serienteile in einer Lehre, in die das Teil passen muss. Zum Vergleich: Anbieter geformter Nutisolationen nennen in ihren Datenblättern Breitentoleranzen von plus minus 0,2 bis 0,5 mm und Längentoleranzen von plus minus 1 bis 2 mm. Das ist die realistische Größenordnung für gefalzte Teile aus 0,2 bis 0,6 mm dickem Material, enger wird es nur mit Rille, Prägung oder Wärme.

Der zweite Einwand kommt aus dem Einkauf: Warum nicht flach liefern und beim Kunden falten. Unsere Empfehlung ist eindeutig. Die Kante gehört ins Werkzeug, weil nur dort Rille, Radius und Winkel reproduzierbar entstehen. Eine von Hand gefaltete Folie knickt, wo der Monteur ansetzt, der Radius ist undefiniert, und genau dort sinkt die Durchschlagfestigkeit unkontrolliert. Dazu kommt die Montagezeit pro Teil. Eine Ausnahme planen wir mit: Wenn ein vorgebogenes Teil so sperrig ist, dass es im Transport Schaden nimmt, liefern wir es planliegend mit vorgeprägter Rille. Das Aufrichten beim Kunden ist dann ein Handgriff an einer definierten Linie, kein freies Biegen. In allen anderen Fällen liefern wir die Isolierteile und Formteile fertig geformt und in das Blechpaket eingepasst.

Umformen oder Trennen: wo Stanzen aufhört und Umformen beginnt

In Anfragen werden Stanzen und Umformen oft in einem Atemzug genannt, in der Norm liegen sie zwei Hauptgruppen auseinander. Stanzen ist Trennen, genauer Scherschneiden mit der Ordnungsnummer 3.1.1: Der Zusammenhalt wird entlang der Kontur aufgehoben. Die Rille im selben Werkzeug ist Umformen nach 2.1, der spätere Falz Umformen nach 2.4. Ein Stanz- und Biegeteil berührt mit einem Hub zwei Hauptgruppen, deshalb beschreibt die Zeichnung beides getrennt: die Kontur mit ihrer Toleranz, die Kante mit Radius, Winkel und Laufrichtung. Was auf die Zeichnung eines flachen Teils gehört, steht im Beitrag zu Stanzteilen.

Ein Sonderfall zeigt, wie eng die Hauptgruppen zusammenliegen. Wird ein Kragen umgebördelt, um das Teil in der Nut zu halten, ist das Biegeumformen. Verbindet derselbe Bördelvorgang zwei Teile miteinander, zählt er als Fügen durch Umformen nach DIN 8593-5, das der Beitrag zur Fügetechnik einordnet. Die Norm fragt nach dem Ergebnis für den Zusammenhalt, nicht nach der Bewegung.

GOBA Fazit

Umformtechnik ist in der Norm eine Sache des Spannungszustands, in der Fertigung eine Sache des Werkstoffs. Die fünf Gruppen der DIN 8582 gelten für Folie wie für Blech, aber Folie und Papier bringen drei Eigenheiten mit, die Blech nicht hat: eine 20- bis 30-mal höhere Rückfederung, eine Faserrichtung, die über Halten oder Reißen entscheidet, und ein enges Temperaturfenster beim Warmformen. Wer das kennt, rillt statt abzukanten, legt die Laufrichtung fest und plant die Musterschleife für den Winkel ein.

Wir formen Isolierteile aus Polyesterfolie, Aramidpapier, Pressspan und Laminaten von 0,023 bis 3,0 mm Dicke und sagen Ihnen vor der Konstruktionsfreigabe, welche Kante in welchem Werkstoff hält. Schicken Sie uns die Zeichnung mit Radius, Winkel und Laufrichtung, oder lassen Sie uns diese drei Angaben vorschlagen. Daraus entstehen bei uns gerillte, gefalzte und warm geformte Stanz- und Biegeteile aus Isoliermaterial.

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Verwandte Glossar-Begriffe

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit thematisch verbundenen Artikeln.

  • DIN 8580

    Die DIN 8580 ordnet jedes Fertigungsverfahren einer von sechs Hauptgruppen zu. Mit allen Gruppen, Ordnungsnummern, Folgenormen und dem Stand der Ausgabe 2022.

  • Biegeteile

    Biegeteile sind Bauteile, die nach dem Zuschnitt entlang definierter Linien in Form gebracht werden. Aus Isolierstoffen entstehen sie durch Rillen, Falzen oder Warmverformen.

  • Formteile

    Formteile sind Bauteile mit räumlicher Geometrie. Bei GOBA entstehen sie aus flachen Elektroisolierstoffen durch Warmverformen, Falzen und Prägen, nicht durch Spritzguss.

  • Mindestbiegeradius

    Der Mindestbiegeradius ist die kleinste zulässige Krümmung, die ein Werkstoff beim Biegen ohne Risse, Falten oder bleibende Schäden erträgt.

  • Stanzteile

    Stanzteile sind flache Bauteile, die ein Werkzeug in einem Hub aus bahnförmigem Material trennt. Bei GOBA entstehen sie aus Elektroisolierstoffen von 0,023 bis 3,0 mm Dicke.

  • Thermoplaste

    Thermoplaste sind Kunststoffe, deren Molekülketten nur physikalisch zusammenhalten. Sie erweichen bei Wärme, erstarren beim Abkühlen und lassen sich beliebig oft umformen.

FAQ zur Umformtechnik

Welche Umformverfahren gibt es nach DIN 8582?

Die DIN 8582 kennt fünf Gruppen, sortiert nach der vorherrschenden Beanspruchung: Druckumformen (DIN 8583, etwa Walzen und Prägen), Zugdruckumformen (DIN 8584, etwa Tiefziehen), Zugumformen (DIN 8585, etwa Streckziehen), Biegeumformen (DIN 8586, etwa Falzen und Bördeln) und Schubumformen (DIN 8587, etwa Verdrehen). Für Isolierteile aus Flachmaterial sind Biegeumformen und Druckumformen die beiden relevanten Gruppen.

Was ist der Unterschied zwischen Urformen und Umformen?

Urformen schafft den Zusammenhalt eines Werkstoffs erst, aus einem formlosen Zustand heraus: Gießen, Spritzgießen, Extrudieren einer Folie oder die Papierherstellung. Umformen setzt einen bereits festen Körper voraus und ändert nur seine Form. Eine Folie entsteht also durch Urformen und wird anschließend durch Umformen gerillt, gefalzt oder tiefgezogen.

Was ist der Unterschied zwischen Umformen und Verformen?

Umformen ist der Fachbegriff für die gezielte, kontrollierte plastische Formänderung in einem Fertigungsverfahren. Verformen ist der allgemeine Begriff und schließt ungewollte Formänderungen ein, etwa durch Überlast, Wärme oder einen Transportschaden. Ein Isolierteil, das sich im Motor durch Restspannungen zurückstellt, hat sich verformt, aber niemand hat es umgeformt.

Was ist Rückfederung und wie wird sie kompensiert?

Rückfederung ist der elastische Anteil der Verformung, der nach dem Öffnen des Werkzeugs zurückkehrt und den Biegewinkel öffnet. Sie wächst mit dem Verhältnis von Fließgrenze zu E-Modul, weshalb PET-Folie rechnerisch um rund 10° zurückfedert, wo Baustahl bei rund 0,5° liegt. Kompensiert wird sie durch Überbiegen, Nachdrücken in der Biegezone, Verweilzeit im Werkzeug, Wärme und bei Isolierstoffen vor allem durch eine vorgeprägte Rille, die die Biegelinie festlegt.

Lassen sich Kunststofffolien und Isolierstoffe umformen?

Thermoplastische Folien wie PET und Faserwerkstoffe wie Aramidpapier und Pressspan lassen sich rillen, falzen, prägen und, bei Thermoplasten, unter Wärme tiefziehen. Polyimidfolie lässt sich kalt falzen, aber nicht warmformen. Duroplastische Laminate wie Hartpapier und Hartgewebe sowie Glimmer- und Glasgewebeprodukte lassen sich nicht umformen, weil ihre vernetzte Struktur keine plastische Dehnung zulässt. Sie werden gestanzt oder geschnitten. GOBA formt Isolierstoffe von 0,023 bis 3,0 mm Dicke in Formaten bis 1.000 x 2.000 mm.