Pressspan
Pressspan ist ein technischer Werkstoff aus verdichteten Zellulosefasern. Durch mechanisches Pressen und gezielten Einsatz von Bindemitteln entsteht ein fester, homogener Werkstoff mit guten elektrischen Isoliereigenschaften. Einfach gesagt: Pressspan ist „verdichtetes Papier“, das durch seine homogene Struktur in Elektroindustrie und Maschinenbau vielseitig eingesetzt wird.
In der Elektroisolationsindustrie spielt Pressspan eine zentrale Rolle – von Transformatoren über Elektromotoren bis hin zu elektrischen Geräten. Er ist einer der ältesten und zugleich bewährtesten Isolierstoffe auf Zellulosebasis.
Herstellung und Aufbau
Pressspan wird aus hochreiner Zellulose (häufig aus Sulfat- oder Sulfitzellstoff) gewonnen. Die Herstellung umfasst:
Aufbereitung der Fasern: Reinigung von Lignin, Harzen und Verunreinigungen.
Faservernetzung: Verfilzen durch Wasserstoffbrückenbindungen und Pressdruck.
Pressen: unter Druck und Wärme zu homogenen Platten oder Rollen verdichtet.
Trocknung und Glättung: für mechanische Stabilität und gleichmäßige Oberfläche.
Je nach Einsatzgebiet werden unterschiedliche Qualitäten gefertigt – von einfachen Kartonplatten bis zu hochverdichteten Isolierpressspanen für Hochspannungstransformatoren.
Eigenschaften von Pressspan
Elektrische Eigenschaften
Hohe Durchschlagsfestigkeit (bis >10 kV/mm je nach Dicke).
Guter Isolationswiderstand.
Niedrige dielektrische Verluste.
Mechanische Eigenschaften
Druck- und biegefest.
Gute Bearbeitbarkeit (Stanzen, Schneiden, Biegen).
Maßstabilität bei normgerechter Lagerung.
Thermische Eigenschaften
Wärmebeständig bis ca. 105 °C (Isolierstoffklasse A).
Bei höheren Anforderungen kombinierbar mit anderen Materialien (z. B. Nomex®).
Ökologisch
Zellulosebasis, weitgehend recyclingfähig.
Normen und Qualitäten
Pressspan ist genormt und in verschiedenen Typen verfügbar:
DIN 7733: definiert Pressspan für elektrotechnische Zwecke.
IEC 60641: internationale Norm für elektrische Presspapiere.
Isolierstoffklasse A (105 °C) nach IEC 60085.
Typische Qualitäten: Pressspan 3010, 3020 etc., je nach Festigkeit und Dichte.
Anwendungen in Elektroindustrie und Maschinenbau
Transformatoren
Wicklungsisolation, Zylinder, Distanzstücke, Kanäle zur Kühlung.
Einsatz in Öl-gefüllten Transformatoren durch gute Öltränkbarkeit.
Elektromotoren
Nutisolationen, Lagenisolation, Distanzscheiben.
Kombination mit anderen Isolierstoffen (Nomex®, Polyesterfolien).
Kabel- und Elektrotechnik
Trennlagen in Kabeln und Spulen.
Stanzteile für Elektrogeräte.
Maschinenbau
Pressspanplatten als Isolierteile in Schaltanlagen.
Abstandshalter, Distanzringe, einfache Abdeckungen.
Vorteile und Grenzen
Vorteile
Kostengünstiger, bewährter Werkstoff.
Gute elektrische Isolation.
Leicht zu verarbeiten (Stanzen, Schneiden, Biegen).
Kompatibel mit Öltränkverfahren.
Grenzen
Begrenzte thermische Beständigkeit (Klasse A, max. 105 °C).
Hygroskopisch, daher empfindlich gegenüber Feuchtigkeit.
Nicht geeignet für Hochtemperaturanwendungen (hier: Nomex®, Kapton® oder Mica erforderlich).
Beispiele aus der Praxis
Transformatorenbau: Pressspanzylinder werden als stabile Formkörper gefertigt, in die Wicklungen eingebettet sind.
Elektromotoren: Nutisolationen aus Pressspan dienen als günstige Alternative zu PET- oder Aramidfolien bei Standardmotoren.
Elektrogeräte: Kleine Stanzteile wie Unterlagen, Scheiben und Abdeckungen.
GOBA Fazit
Pressspan ist einer der klassischen Isolierstoffe in der Elektroindustrie. Seine Stärken liegen in der Wirtschaftlichkeit, guten elektrischen Eigenschaften und leichten Verarbeitung. In Anwendungen mit moderaten Temperaturen und Spannungen ist er erste Wahl – vor allem in Transformatoren und Standardmotoren. Für höhere Belastungen sind jedoch moderne Hochtemperaturmaterialien wie Nomex®, Kapton® oder Glimmerprodukte erforderlich. Für Konstruktion, Einkauf und Qualitätssicherung gilt: Pressspan bleibt ein unverzichtbarer Werkstoff, solange er im richtigen Einsatzumfeld spezifiziert wird.
Kontaktieren Sie uns gerne, um die optimale Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.
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FAQ zum Pressspan
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Ein Isolierstoff auf Zellulosebasis, hergestellt durch Verdichten und Pressen von Zellulosefasern.
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Er gehört zur Isolierstoffklasse A, geeignet bis 105 °C.
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Vor allem in Transformatoren, Elektromotoren und als Stanzteil in Elektrogeräten.
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Er ist kostengünstig, elektrisch zuverlässig und gut bearbeitbar.