Glossar

Pressspan

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·4 Min. Lesezeit

Pressspan ist ein technischer Werkstoff aus verdichteten Zellulosefasern. Durch mechanisches Pressen und gezielten Einsatz von Bindemitteln entsteht ein fester, homogener Werkstoff mit guten elektrischen Isoliereigenschaften. Einfach gesagt: Pressspan ist „verdichtetes Papier“, das durch seine homogene Struktur in Elektroindustrie und Maschinenbau vielseitig eingesetzt wird.

In der Elektroisolationsindustrie spielt Pressspan eine zentrale Rolle: von Transformatoren über Elektromotoren bis hin zu elektrischen Geräten. Er ist einer der ältesten und zugleich bewährtesten Isolierstoffe auf Zellulosebasis.

Herstellung und Aufbau

Pressspan wird aus hochreiner Zellulose (häufig aus Sulfat- oder Sulfitzellstoff) gewonnen. Die Herstellung umfasst:

  • Aufbereitung der Fasern: Reinigung von Lignin, Harzen und Verunreinigungen.
  • Faservernetzung: Verfilzen durch Wasserstoffbrückenbindungen und Pressdruck.
  • Pressen: unter Druck und Wärme zu homogenen Platten oder Rollen verdichtet.
  • Trocknung und Glättung: für mechanische Stabilität und gleichmäßige Oberfläche.

Je nach Einsatzgebiet werden unterschiedliche Qualitäten gefertigt: von einfachen Kartonplatten bis zu hochverdichteten Isolierpressspänen für Hochspannungstransformatoren.

Eigenschaften von Pressspan

Elektrische Eigenschaften

  • Hohe Durchschlagsfestigkeit (bis >10 kV/mm je nach Dicke).
  • Guter Isolationswiderstand.
  • Niedrige dielektrische Verluste.

Mechanische Eigenschaften

  • Druck- und biegefest.
  • Gute Bearbeitbarkeit (Stanzen, Schneiden, Biegen).
  • Maßstabilität bei normgerechter Lagerung.

Thermische Eigenschaften

  • Wärmebeständig bis ca. 105 Grad C (Isolierstoffklasse A).
  • Bei höheren Anforderungen kombinierbar mit anderen Materialien (z. B. Nomex).

Ökologisch

  • Zellulosebasis, weitgehend recyclingfähig.

Normen und Qualitäten

Pressspan ist genormt und in verschiedenen Typen verfügbar:

  • DIN 7733: definiert Pressspan für elektrotechnische Zwecke.
  • IEC 60641: internationale Norm für elektrische Presspapiere.
  • Isolierstoffklasse A (105 Grad C) nach IEC 60085.
  • Typische Qualitäten: Pressspan 3010, 3020 etc., je nach Festigkeit und Dichte.

Anwendungen in Elektroindustrie und Maschinenbau

Transformatoren

  • Wicklungsisolation, Zylinder, Distanzstücke, Kanäle zur Kühlung.
  • Einsatz in öl-gefüllten Transformatoren durch gute Öltränkbarkeit.

Elektromotoren

  • Nutisolationen, Lagenisolation, Distanzscheiben.
  • Kombination mit anderen Isolierstoffen (Nomex, Polyesterfolien).

Kabel- und Elektrotechnik

  • Trennlagen in Kabeln und Spulen.
  • Stanzteile für Elektrogeräte.

Maschinenbau

  • Pressspanplatten als Isolierteile in Schaltanlagen.
  • Abstandshalter, Distanzringe, einfache Abdeckungen.

Vorteile und Grenzen

Vorteile

  • Kostengünstiger, bewährter Werkstoff.
  • Gute elektrische Isolation.
  • Leicht zu verarbeiten (Stanzen, Schneiden, Biegen).
  • Kompatibel mit Öltränkverfahren.

Grenzen

  • Begrenzte thermische Beständigkeit (Klasse A, max. 105 Grad C).
  • Hygroskopisch, daher empfindlich gegenüber Feuchtigkeit.
  • Nicht geeignet für Hochtemperaturanwendungen (hier: Nomex, Kapton oder Mica erforderlich).

Beispiele aus der Praxis

  • Transformatorenbau: Pressspanzylinder werden als stabile Formkörper gefertigt, in die Wicklungen eingebettet sind.
  • Elektromotoren: Nutisolationen aus Pressspan dienen als günstige Alternative zu PET- oder Aramidfolien bei Standardmotoren.
  • Elektrogeräte: Kleine Stanzteile wie Unterlagen, Scheiben und Abdeckungen.

GOBA Fazit

Pressspan ist einer der klassischen Isolierstoffe in der Elektroindustrie. Seine Stärken liegen in der Wirtschaftlichkeit, guten elektrischen Eigenschaften und leichten Verarbeitung. In Anwendungen mit moderaten Temperaturen und Spannungen ist er erste Wahl, vor allem in Transformatoren und Standardmotoren. Für höhere Belastungen sind jedoch moderne Hochtemperaturmaterialien wie Nomex, Kapton oder Glimmerprodukte erforderlich. Für Konstruktion, Einkauf und Qualitätssicherung gilt: Pressspan bleibt ein unverzichtbarer Werkstoff, solange er im richtigen Einsatzumfeld spezifiziert wird.

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FAQ zum Pressspan

Was ist Pressspan?

Ein Isolierstoff auf Zellulosebasis, hergestellt durch Verdichten und Pressen von Zellulosefasern. Er wird seit Jahrzehnten in der Elektrotechnik eingesetzt.

Welche Isolierstoffklasse hat Pressspan?

Pressspan gehört zur Isolierstoffklasse A, geeignet für Dauertemperaturen bis 105 °C.

Wo wird Pressspan eingesetzt?

Vor allem in Transformatoren, Elektromotoren und als Stanzteil in Elektrogeräten.

Welche Vorteile bietet Pressspan?

Er ist kostengünstig, elektrisch zuverlässig und gut bearbeitbar durch Stanzen, Schneiden und Biegen.