Ein Stanzteil ist ein flaches Bauteil, das ein Werkzeug in einem einzigen Hub aus bahnförmigem Material trennt. Bei GOBA entstehen Stanzteile aus Elektroisolierstoffen: Polyesterfolien, Aramidpapiere, technische Laminate, Pressspan, Glasgewebe und Glimmerprodukte. Die Materialdicke liegt zwischen 0,023 und 3,0 mm, die maximale Abmessung bei 1.000 x 2.000 mm. Diese Seite erklärt die Werkzeugarten und ihre Kostenlogik, die erreichbaren Toleranzen, die typischen Fehlerbilder beim Stanzen weicher Werkstoffe und den Weg vom Muster zur Serie.
Stanzteile aus Isolierstoffen folgen anderen Regeln als Blechstanzteile
Wer nach Stanzteilen sucht, landet meist bei Blech, Stahl und Massivumformung. Das ist ein anderes Handwerk. Blech verformt sich plastisch, es fließt unter dem Stempel und behält die neue Form. Isolierstoffe tun das nicht. Eine Polyesterfolie federt zurück, ein Aramidpapier reißt an der Faser aus, ein Laminat spaltet sich an der Kante auf. Die Schneidspalte, die Klingengeometrie und die Schnittgeschwindigkeit müssen deshalb auf den Werkstoff abgestimmt sein, nicht auf eine Blechdicke.
Für den Einkauf hat das eine praktische Folge: Ein Lieferant für Metallstanzteile ist selten der richtige Partner für Isolierteile, und umgekehrt. Wir fertigen ausschließlich aus Isolierstoffen. Wer Stanzteile aus Stahl oder Aluminium braucht, ist bei einer Stanzerei mit Metallschwerpunkt besser aufgehoben. Wer Nutisolationen, Phasentrenner, Abdeckscheiben oder Zellisolationen braucht, findet bei uns Stanz- und Biegeteile aus Isoliermaterial.
Beim Stanzen trennt ein Werkzeug das Material entlang der Kontur
Das Werkzeug drückt eine geschlossene Schneidkontur durch den Werkstoff, der auf einer Gegenlage aufliegt. Gestanzt wird entweder von der Rolle oder aus vorgeschnittenen Formaten. Von der Rolle zu stanzen ist schneller und erzeugt weniger Verschnitt, setzt aber ein Material voraus, das sich sauber abwickeln lässt. Steife Werkstoffe wie dicker Pressspan laufen besser als Format.
Neben dem vollständigen Durchtrennen gibt es zwei Sonderformen, die in der Isolierteilfertigung häufig gebraucht werden. Beim Kiss-Cut schneidet das Werkzeug nur die obere Lage eines selbstklebenden Aufbaus und lässt den Trägerliner stehen, sodass sich das Teil beim Kunden abziehen lässt. Beim Anstanzen bleibt das Teil über schmale Stege im Bogen hängen und wird erst bei der Montage herausgelöst.
Die Werkzeugart bestimmt Toleranz, Stückzahl und Werkzeugkosten
Die Werkzeugentscheidung fällt vor der ersten Anfrage und bestimmt den Preis pro Teil stärker als das Material. Drei Bauarten decken praktisch jeden Bedarf ab.
| Werkzeugart | Aufbau | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Bandstahlschnitt | Sperrholzplatte mit lasergeschnittenen Schlitzen, darin eingesetzte Stahlklingen | Niedrige Werkzeugkosten, kurze Bereitstellung, gut für Muster und mittlere Serien | Standzeit und Maßhaltigkeit begrenzt, Klingen setzen sich mit der Zeit |
| Vollstahlwerkzeug | Aus dem vollen Stahl gefertigte Schneidkontur | Engste Maßhaltigkeit, hohe Standzeit, erste Wahl für Großserien | Höhere Werkzeugkosten, längere Vorlaufzeit bis zur ersten Lieferung |
| Rotationswerkzeug | Zylindrisches Werkzeug, das kontinuierlich von der Rolle stanzt | Hohe Ausbringung, sauberer Kiss-Cut, kein Taktstillstand | Konturlänge an den Zylinderumfang gebunden |
Unsere Empfehlung für den Einstieg lautet fast immer Bandstahlschnitt. Das Werkzeug ist schnell verfügbar, die Kontur lässt sich nach dem ersten Muster noch ändern, und bei den meisten Isolierteilen reicht die erreichbare Maßhaltigkeit aus. Auf ein Vollstahlwerkzeug wechseln wir, wenn die Serie läuft und entweder die Stückzahl die Werkzeugkosten trägt oder die Zeichnung Toleranzen fordert, die der Bandstahlschnitt über die Standzeit nicht hält. Zum Rotationsstanzen greifen wir bei hohen Stückzahlen einfacher Konturen, vor allem bei selbstklebenden Aufbauten.
Diese Isolierstoffe verarbeiten wir zu Stanzteilen
Das Material bestimmt, welche Spannungsfestigkeit, welche Temperaturklasse und welche mechanische Stabilität das fertige Teil mitbringt. Diese Werkstoffgruppen laufen bei uns regelmäßig über die Stanzautomaten:
- Polyesterfolien wie Hostaphan und Mylar, dünn, zäh und formstabil
- Aramidpapiere für hohe Temperaturklassen in Motoren und Generatoren
- Technische Laminate wie DMD und NMN, die Papier und Folie zu einem Verbund koppeln
- Pressspan in den größeren Dicken, steif und gut falzbar
- Glasgewebe und Glimmerprodukte für Temperaturen oberhalb der Kunststoffgrenze
- Selbstklebende Aufbauten mit Trägerliner für die automatisierte Montage
Welche Dicke sinnvoll ist, hängt an der geforderten Durchschlagsfestigkeit und am Bauraum. Die Auswahl im Detail behandelt der Artikel zur Werkstoffdicke, die Materialübersicht die Seite Isoliermaterialien.
Toleranzen an Stanzteilen richten sich nach DIN ISO 2768
Trägt eine Zeichnung an einem Maß keine eigene Toleranzangabe, gilt die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld. In der Isolierteilfertigung ist der Vermerk DIN ISO 2768-m der Normalfall, bei unkritischen Konturen auch 2768-c. Wer enger toleriert, treibt die Werkzeugkosten und die Prüfkosten, ohne dass das Bauteil dadurch besser funktioniert. Die zulässigen Grenzabmaße für ein konkretes Nennmaß liefert der Rechner im Artikel zur DIN ISO 2768.
Zwei Maße lohnen an einem Stanzteil die einzelne Toleranzangabe: das Passmaß, mit dem das Teil in die Nut oder das Blechpaket greift, und der Lochabstand, wenn eine Schraube oder ein Niet hindurchmuss. Alles andere trägt die Allgemeintoleranz. Bei Biegeteilen kommt der Mindestbiegeradius als eigene Größe dazu, weil das Material sonst an der Kante bricht.
Typische Fehlerbilder an gestanzten Isolierstoffen
Die meisten Reklamationen an Stanzteilen aus Isolierstoff lassen sich fünf Ursachen zuordnen. Wer sie kennt, erkennt am Muster schon, ob Werkzeug und Material zusammenpassen.
- Delamination an der Schnittkante, wenn ein Laminat mit zu stumpfer Klinge getrennt wird
- Faserausriss bei Aramid- und Zellulosepapieren, meist eine Frage der Schnittgeschwindigkeit
- Grat und Kantenaufwurf bei Folien, wenn der Schneidspalt nicht zur Dicke passt
- Rückfederung an Biegelinien, die das Fertigmaß nach dem Falzen verschiebt
- Verzug nach dem Warmverformen, wenn das Teil zu schnell abkühlt
Delamination und Faserausriss sind Werkzeugthemen, Rückfederung und Verzug sind Prozessthemen. Beides klärt sich am Muster, nicht in der Zeichnung.
Was die Zeichnung für ein Stanzteil enthalten sollte
Die meisten Rückfragen aus unserer Arbeitsvorbereitung entstehen, weil auf der Zeichnung Angaben fehlen, die im Blechbau selbstverständlich sind, bei Isolierstoffen aber die Fertigung bestimmen. Vier Angaben beschleunigen ein Angebot spürbar.
- Werkstoff mit Handelsname und Dicke, weil zwei Folien gleicher Dicke unterschiedlich schneiden
- Temperaturklasse der Anwendung, sie entscheidet über die zulässige Materialgruppe
- Laufrichtung, wenn das Material anisotrop ist, etwa bei Papieren und Laminaten
- Abrufmenge pro Los und pro Jahr, daran hängt die Werkzeugentscheidung
Eine Zeichnung ohne Werkstoffangabe lässt sich nicht kalkulieren, ein Muster ohne Stückzahlangabe nicht in die richtige Werkzeugklasse einordnen. Wenn Ihnen einzelne Angaben fehlen, schicken Sie die Zeichnung trotzdem. Wir schlagen den Werkstoff vor, wenn Sie uns die elektrische und thermische Anforderung nennen.
Vom Muster zur Serie
Eine Anfrage für Stanzteile läuft bei uns in vier Schritten. Der Ablauf ist bewusst kurz gehalten, weil die entscheidenden Fragen früh geklärt sein müssen.
- Zeichnung oder Muster einreichen, mit Angabe von Material, Dicke, Stückzahl pro Abruf und Temperaturklasse der Anwendung
- Wir prüfen die Kontur auf Stanzbarkeit und schlagen die Werkzeugart vor, bei Bedarf mit einer Anpassung an Stegbreiten oder Radien
- Musterteile aus dem Bandstahlschnitt, geprüft auf Passmaß und Kantenqualität, zur Freigabe beim Kunden im echten Blechpaket
- Serienfertigung mit fester Prüffolge, auf Wunsch gestapelt, paketiert oder mit Marker-Linien für die sensorische Erkennung in Ihrer Montage
Die Freigabe im echten Bauteil ist der Schritt, an dem sich die meisten Probleme erledigen. Ein Isolierteil, das auf dem Messtisch stimmt, kann sich im Blechpaket trotzdem stauchen. Deshalb passen wir Isolierteile im Elektromotorenbau in Ihr Blechpaket ein, bevor die Serie startet.
Lohnt ein eigenes Stanzwerkzeug bei kleiner Stückzahl?
Das ist der häufigste Einwand aus dem Einkauf, und er ist berechtigt. Ein Werkzeug ist eine einmalige Investition, die sich über die Teile amortisieren muss. Bei einem Bandstahlschnitt sind die Werkzeugkosten allerdings so niedrig, dass sich die Rechnung schon bei einigen hundert Teilen dreht, sobald die Alternative Handzuschnitt oder Laserschneiden heißt. Gestanzte Kanten bleiben über die Serie reproduzierbar. Ein Laserschnitt belastet Kunststofffolien thermisch und verändert die Kante.
Gegen ein eigenes Werkzeug sprechen zwei Fälle: eine Geometrie, die sich absehbar noch ändert, und ein echter Einzelbedarf ohne Wiederholung. Im ersten Fall warten Sie die Konstruktionsfreigabe ab. Im zweiten Fall ist ein Zuschnitt aus dem Format die günstigere Wahl. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen offen, wenn sich ein Werkzeug für Ihren Bedarf nicht rechnet. Für wiederkehrende Geometrien mit wechselnden Abrufmengen bieten wir kundenspezifische Fertigung mit Lagerhaltung an.
Wo Stanzteile aus Isolierstoff eingesetzt werden
Der größte Anwendungsblock ist der Elektromotorenbau: Nutisolationen, Phasentrenner, Deckschieber und Abdeckscheiben trennen stromführende Teile voneinander und vom Blechpaket. In der Elektromobilität kommen Zell- und Modulisolationen dazu, dünne Teile mit hoher Spannungsfestigkeit und enger Passung. In Haushaltsgeräten sitzen gestanzte Isolierteile als Abdeckungen und Trennlagen, in der Telekommunikation als Isolationsscheiben in Baugruppen.
Wer Stanzteile mit Biegungen, Falzen oder Prägungen braucht, findet die Fortsetzung dieses Themas bei den Biegeteilen und den Formteilen.
GOBA Fazit: Die Werkzeugwahl bestimmt den Teilepreis
Bei Stanzteilen aus Isolierstoff hängt der Preis pro Teil stärker am Werkzeug als an der Kontur. Für eine neue Geometrie führt der Bandstahlschnitt am schnellsten zu einem belastbaren Muster und lässt die Kontur danach noch änderbar. Der Wechsel auf ein Vollstahlwerkzeug lohnt sich, sobald die Jahresmenge feststeht oder die Zeichnung ein Passmaß eng toleriert. Wer diese Reihenfolge einhält, spart die Korrekturschleife am teuren Werkzeug. Klären Sie Kantenqualität und Passung immer am Muster im echten Blechpaket, nicht auf dem Messtisch. Bahnförmiges Material konfektionieren wir auf Wunsch vorab im Lohnschneiden auf die Breite, die Ihr Stanzprozess braucht.


