Stanzteile

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·7 Min. Lesezeit

Ein Stanzteil ist ein flaches Bauteil, das ein Werkzeug in einem einzigen Hub aus bahnförmigem Material trennt. Bei GOBA entstehen Stanzteile aus Elektroisolierstoffen: Polyesterfolien, Aramidpapiere, technische Laminate, Pressspan, Glasgewebe und Glimmerprodukte. Die Materialdicke liegt zwischen 0,023 und 3,0 mm, die maximale Abmessung bei 1.000 x 2.000 mm. Diese Seite erklärt die Werkzeugarten und ihre Kostenlogik, die erreichbaren Toleranzen, die typischen Fehlerbilder beim Stanzen weicher Werkstoffe und den Weg vom Muster zur Serie.

Stanzteile aus Isolierstoffen folgen anderen Regeln als Blechstanzteile

Wer nach Stanzteilen sucht, landet meist bei Blech, Stahl und Massivumformung. Das ist ein anderes Handwerk. Blech verformt sich plastisch, es fließt unter dem Stempel und behält die neue Form. Isolierstoffe tun das nicht. Eine Polyesterfolie federt zurück, ein Aramidpapier reißt an der Faser aus, ein Laminat spaltet sich an der Kante auf. Die Schneidspalte, die Klingengeometrie und die Schnittgeschwindigkeit müssen deshalb auf den Werkstoff abgestimmt sein, nicht auf eine Blechdicke.

Für den Einkauf hat das eine praktische Folge: Ein Lieferant für Metallstanzteile ist selten der richtige Partner für Isolierteile, und umgekehrt. Wir fertigen ausschließlich aus Isolierstoffen. Wer Stanzteile aus Stahl oder Aluminium braucht, ist bei einer Stanzerei mit Metallschwerpunkt besser aufgehoben. Wer Nutisolationen, Phasentrenner, Abdeckscheiben oder Zellisolationen braucht, findet bei uns Stanz- und Biegeteile aus Isoliermaterial.

Beim Stanzen trennt ein Werkzeug das Material entlang der Kontur

Das Werkzeug drückt eine geschlossene Schneidkontur durch den Werkstoff, der auf einer Gegenlage aufliegt. Gestanzt wird entweder von der Rolle oder aus vorgeschnittenen Formaten. Von der Rolle zu stanzen ist schneller und erzeugt weniger Verschnitt, setzt aber ein Material voraus, das sich sauber abwickeln lässt. Steife Werkstoffe wie dicker Pressspan laufen besser als Format.

Neben dem vollständigen Durchtrennen gibt es zwei Sonderformen, die in der Isolierteilfertigung häufig gebraucht werden. Beim Kiss-Cut schneidet das Werkzeug nur die obere Lage eines selbstklebenden Aufbaus und lässt den Trägerliner stehen, sodass sich das Teil beim Kunden abziehen lässt. Beim Anstanzen bleibt das Teil über schmale Stege im Bogen hängen und wird erst bei der Montage herausgelöst.

Die Werkzeugart bestimmt Toleranz, Stückzahl und Werkzeugkosten

Die Werkzeugentscheidung fällt vor der ersten Anfrage und bestimmt den Preis pro Teil stärker als das Material. Drei Bauarten decken praktisch jeden Bedarf ab.

WerkzeugartAufbauStärkeGrenze
BandstahlschnittSperrholzplatte mit lasergeschnittenen Schlitzen, darin eingesetzte StahlklingenNiedrige Werkzeugkosten, kurze Bereitstellung, gut für Muster und mittlere SerienStandzeit und Maßhaltigkeit begrenzt, Klingen setzen sich mit der Zeit
VollstahlwerkzeugAus dem vollen Stahl gefertigte SchneidkonturEngste Maßhaltigkeit, hohe Standzeit, erste Wahl für GroßserienHöhere Werkzeugkosten, längere Vorlaufzeit bis zur ersten Lieferung
RotationswerkzeugZylindrisches Werkzeug, das kontinuierlich von der Rolle stanztHohe Ausbringung, sauberer Kiss-Cut, kein TaktstillstandKonturlänge an den Zylinderumfang gebunden

Unsere Empfehlung für den Einstieg lautet fast immer Bandstahlschnitt. Das Werkzeug ist schnell verfügbar, die Kontur lässt sich nach dem ersten Muster noch ändern, und bei den meisten Isolierteilen reicht die erreichbare Maßhaltigkeit aus. Auf ein Vollstahlwerkzeug wechseln wir, wenn die Serie läuft und entweder die Stückzahl die Werkzeugkosten trägt oder die Zeichnung Toleranzen fordert, die der Bandstahlschnitt über die Standzeit nicht hält. Zum Rotationsstanzen greifen wir bei hohen Stückzahlen einfacher Konturen, vor allem bei selbstklebenden Aufbauten.

Diese Isolierstoffe verarbeiten wir zu Stanzteilen

Das Material bestimmt, welche Spannungsfestigkeit, welche Temperaturklasse und welche mechanische Stabilität das fertige Teil mitbringt. Diese Werkstoffgruppen laufen bei uns regelmäßig über die Stanzautomaten:

  • Polyesterfolien wie Hostaphan und Mylar, dünn, zäh und formstabil
  • Aramidpapiere für hohe Temperaturklassen in Motoren und Generatoren
  • Technische Laminate wie DMD und NMN, die Papier und Folie zu einem Verbund koppeln
  • Pressspan in den größeren Dicken, steif und gut falzbar
  • Glasgewebe und Glimmerprodukte für Temperaturen oberhalb der Kunststoffgrenze
  • Selbstklebende Aufbauten mit Trägerliner für die automatisierte Montage

Welche Dicke sinnvoll ist, hängt an der geforderten Durchschlagsfestigkeit und am Bauraum. Die Auswahl im Detail behandelt der Artikel zur Werkstoffdicke, die Materialübersicht die Seite Isoliermaterialien.

Toleranzen an Stanzteilen richten sich nach DIN ISO 2768

Trägt eine Zeichnung an einem Maß keine eigene Toleranzangabe, gilt die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld. In der Isolierteilfertigung ist der Vermerk DIN ISO 2768-m der Normalfall, bei unkritischen Konturen auch 2768-c. Wer enger toleriert, treibt die Werkzeugkosten und die Prüfkosten, ohne dass das Bauteil dadurch besser funktioniert. Die zulässigen Grenzabmaße für ein konkretes Nennmaß liefert der Rechner im Artikel zur DIN ISO 2768.

Zwei Maße lohnen an einem Stanzteil die einzelne Toleranzangabe: das Passmaß, mit dem das Teil in die Nut oder das Blechpaket greift, und der Lochabstand, wenn eine Schraube oder ein Niet hindurchmuss. Alles andere trägt die Allgemeintoleranz. Bei Biegeteilen kommt der Mindestbiegeradius als eigene Größe dazu, weil das Material sonst an der Kante bricht.

Typische Fehlerbilder an gestanzten Isolierstoffen

Die meisten Reklamationen an Stanzteilen aus Isolierstoff lassen sich fünf Ursachen zuordnen. Wer sie kennt, erkennt am Muster schon, ob Werkzeug und Material zusammenpassen.

  • Delamination an der Schnittkante, wenn ein Laminat mit zu stumpfer Klinge getrennt wird
  • Faserausriss bei Aramid- und Zellulosepapieren, meist eine Frage der Schnittgeschwindigkeit
  • Grat und Kantenaufwurf bei Folien, wenn der Schneidspalt nicht zur Dicke passt
  • Rückfederung an Biegelinien, die das Fertigmaß nach dem Falzen verschiebt
  • Verzug nach dem Warmverformen, wenn das Teil zu schnell abkühlt

Delamination und Faserausriss sind Werkzeugthemen, Rückfederung und Verzug sind Prozessthemen. Beides klärt sich am Muster, nicht in der Zeichnung.

Was die Zeichnung für ein Stanzteil enthalten sollte

Die meisten Rückfragen aus unserer Arbeitsvorbereitung entstehen, weil auf der Zeichnung Angaben fehlen, die im Blechbau selbstverständlich sind, bei Isolierstoffen aber die Fertigung bestimmen. Vier Angaben beschleunigen ein Angebot spürbar.

  • Werkstoff mit Handelsname und Dicke, weil zwei Folien gleicher Dicke unterschiedlich schneiden
  • Temperaturklasse der Anwendung, sie entscheidet über die zulässige Materialgruppe
  • Laufrichtung, wenn das Material anisotrop ist, etwa bei Papieren und Laminaten
  • Abrufmenge pro Los und pro Jahr, daran hängt die Werkzeugentscheidung

Eine Zeichnung ohne Werkstoffangabe lässt sich nicht kalkulieren, ein Muster ohne Stückzahlangabe nicht in die richtige Werkzeugklasse einordnen. Wenn Ihnen einzelne Angaben fehlen, schicken Sie die Zeichnung trotzdem. Wir schlagen den Werkstoff vor, wenn Sie uns die elektrische und thermische Anforderung nennen.

Vom Muster zur Serie

Eine Anfrage für Stanzteile läuft bei uns in vier Schritten. Der Ablauf ist bewusst kurz gehalten, weil die entscheidenden Fragen früh geklärt sein müssen.

  1. Zeichnung oder Muster einreichen, mit Angabe von Material, Dicke, Stückzahl pro Abruf und Temperaturklasse der Anwendung
  2. Wir prüfen die Kontur auf Stanzbarkeit und schlagen die Werkzeugart vor, bei Bedarf mit einer Anpassung an Stegbreiten oder Radien
  3. Musterteile aus dem Bandstahlschnitt, geprüft auf Passmaß und Kantenqualität, zur Freigabe beim Kunden im echten Blechpaket
  4. Serienfertigung mit fester Prüffolge, auf Wunsch gestapelt, paketiert oder mit Marker-Linien für die sensorische Erkennung in Ihrer Montage

Die Freigabe im echten Bauteil ist der Schritt, an dem sich die meisten Probleme erledigen. Ein Isolierteil, das auf dem Messtisch stimmt, kann sich im Blechpaket trotzdem stauchen. Deshalb passen wir Isolierteile im Elektromotorenbau in Ihr Blechpaket ein, bevor die Serie startet.

Lohnt ein eigenes Stanzwerkzeug bei kleiner Stückzahl?

Das ist der häufigste Einwand aus dem Einkauf, und er ist berechtigt. Ein Werkzeug ist eine einmalige Investition, die sich über die Teile amortisieren muss. Bei einem Bandstahlschnitt sind die Werkzeugkosten allerdings so niedrig, dass sich die Rechnung schon bei einigen hundert Teilen dreht, sobald die Alternative Handzuschnitt oder Laserschneiden heißt. Gestanzte Kanten bleiben über die Serie reproduzierbar. Ein Laserschnitt belastet Kunststofffolien thermisch und verändert die Kante.

Gegen ein eigenes Werkzeug sprechen zwei Fälle: eine Geometrie, die sich absehbar noch ändert, und ein echter Einzelbedarf ohne Wiederholung. Im ersten Fall warten Sie die Konstruktionsfreigabe ab. Im zweiten Fall ist ein Zuschnitt aus dem Format die günstigere Wahl. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen offen, wenn sich ein Werkzeug für Ihren Bedarf nicht rechnet. Für wiederkehrende Geometrien mit wechselnden Abrufmengen bieten wir kundenspezifische Fertigung mit Lagerhaltung an.

Wo Stanzteile aus Isolierstoff eingesetzt werden

Der größte Anwendungsblock ist der Elektromotorenbau: Nutisolationen, Phasentrenner, Deckschieber und Abdeckscheiben trennen stromführende Teile voneinander und vom Blechpaket. In der Elektromobilität kommen Zell- und Modulisolationen dazu, dünne Teile mit hoher Spannungsfestigkeit und enger Passung. In Haushaltsgeräten sitzen gestanzte Isolierteile als Abdeckungen und Trennlagen, in der Telekommunikation als Isolationsscheiben in Baugruppen.

Wer Stanzteile mit Biegungen, Falzen oder Prägungen braucht, findet die Fortsetzung dieses Themas bei den Biegeteilen und den Formteilen.

GOBA Fazit: Die Werkzeugwahl bestimmt den Teilepreis

Bei Stanzteilen aus Isolierstoff hängt der Preis pro Teil stärker am Werkzeug als an der Kontur. Für eine neue Geometrie führt der Bandstahlschnitt am schnellsten zu einem belastbaren Muster und lässt die Kontur danach noch änderbar. Der Wechsel auf ein Vollstahlwerkzeug lohnt sich, sobald die Jahresmenge feststeht oder die Zeichnung ein Passmaß eng toleriert. Wer diese Reihenfolge einhält, spart die Korrekturschleife am teuren Werkzeug. Klären Sie Kantenqualität und Passung immer am Muster im echten Blechpaket, nicht auf dem Messtisch. Bahnförmiges Material konfektionieren wir auf Wunsch vorab im Lohnschneiden auf die Breite, die Ihr Stanzprozess braucht.

Haben Sie eine konkrete Anforderung?

Kontaktieren Sie uns gerne, um die optimale Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.

Verwandte Glossar-Begriffe

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit thematisch verbundenen Artikeln.

  • Rotationsstanzen

    Rotationsstanzen ist ein kontinuierliches Stanzverfahren mit rotierenden Zylindern für präzise, hochproduktive Verarbeitung von Rollenware.

  • Brückenstanze

    Die Brückenstanze ist eine spezialisierte Stanzmaschine für präzise Bearbeitung von Materialien mit hoher Genauigkeit in der industriellen Fertigung.

  • Anstanzung

    Anstanzung bezeichnet das spanlose Trennen oder Ausstanzen von Konturen aus Blechen, Folien, Laminaten oder Isolierstoffen mithilfe eines Stempel-Werkzeugs.

  • Biegeteile

    Biegeteile sind Bauteile, die nach dem Zuschnitt entlang definierter Linien in Form gebracht werden. Aus Isolierstoffen entstehen sie durch Rillen, Falzen oder Warmverformen.

  • Formteile

    Formteile sind Bauteile mit räumlicher Geometrie. Bei GOBA entstehen sie aus flachen Elektroisolierstoffen durch Warmverformen, Falzen und Prägen, nicht durch Spritzguss.

  • DIN 8580

    Die DIN 8580 ordnet jedes Fertigungsverfahren einer von sechs Hauptgruppen zu. Mit allen Gruppen, Ordnungsnummern, Folgenormen und dem Stand der Ausgabe 2022.

FAQ zu Stanzteilen

Welche Toleranzen sind bei Stanzteilen üblich?

In der Isolierteilfertigung gilt meist die Allgemeintoleranz nach DIN ISO 2768-m, bei unkritischen Konturen 2768-c. Einzeln toleriert werden in der Regel nur das Passmaß und kritische Lochabstände. Die konkreten Grenzabmaße hängen vom Nennmaß ab und lassen sich mit dem Toleranzrechner ermitteln.

Was kostet ein Stanzwerkzeug?

Die Werkzeugkosten hängen an der Bauart. Ein Bandstahlschnitt ist die günstigste Variante und rechnet sich oft schon bei einigen hundert Teilen. Ein Vollstahlwerkzeug kostet deutlich mehr und lohnt sich bei Großserien oder engen Toleranzen. Wir nennen die Werkzeugkosten im Angebot getrennt vom Teilepreis.

Fertigt GOBA auch Stanzteile aus Metall?

Nein. Wir stanzen ausschließlich Elektroisolierstoffe: Folien, Papiere, Laminate, Pressspan, Glasgewebe und Glimmerprodukte. Für Stanzteile aus Stahl, Aluminium oder Kupfer ist eine Stanzerei mit Metallschwerpunkt der richtige Ansprechpartner.

Wie schnell bekomme ich ein Muster?

Für ein Muster fertigen wir in der Regel einen Bandstahlschnitt, weil das Werkzeug kurzfristig verfügbar ist und sich die Kontur danach noch ändern lässt. Wir brauchen dafür eine Zeichnung oder ein Referenzteil, die Materialangabe und die Temperaturklasse der Anwendung.

Was ist der Unterschied zwischen Stanzen und Prägen?

Stanzen trennt das Material, das Werkzeug schneidet die Kontur vollständig durch. Prägen verformt das Material nur, ohne es zu trennen, und erzeugt eine bleibende Struktur oder Vertiefung. In der Isolierteilfertigung werden beide Verfahren kombiniert, etwa wenn ein gestanztes Teil zusätzlich eine Falzlinie erhält.