Vlies, genauer Vliesstoff, ist ein Flächengebilde aus Fasern, die mechanisch, chemisch oder thermisch miteinander verbunden werden, ohne zu weben oder zu stricken. Die Norm DIN EN ISO 9092 legt diese Definition verbindlich fest. Technische Vliesstoffe wiegen zwischen rund 10 und über 300 g/m², in Isolierlaminaten wie DMD bilden sie die Außenlagen eines 0,15 bis 0,40 mm dicken Aufbaus. Wer nach Vlies sucht, landet meist bei Mode, Hygieneartikeln oder Bauvlies, denn dort liegt der größte Teil der Nachfrage. GOBA fertigt in diesem Feld nicht. Unser Bezug zu Vliesstoffen liegt in den Isoliermaterialien für Motoren und Transformatoren: als Trägerlage in Laminaten, als Imprägnierhilfe in der Motorwicklung und als Filtermedium. Dieser Beitrag grenzt Vlies von Gewebe und Gestrick ab, erklärt Herstellung und Werkstoffe und zeigt, wo es in Isolierstoffen tatsächlich arbeitet.
Wie unterscheidet sich Vlies von Gewebe und Gestrick?
Der Unterschied liegt im Aufbau. Beim Gewebe kreuzen sich Kett- und Schussfäden, beim Gestrick halten Maschen das Material zusammen. Ein Vliesstoff beginnt dagegen als lose übereinandergelegter Faserflor, den erst ein Verfestigungsverfahren zu einem tragfähigen Material macht. Materialtechnisch sitzt er damit zwischen Papier und Textil: regellos orientierte Fasern wie beim Papier, aber mit der Flexibilität und Reißfestigkeit eines Textils. Genau diese Kombination macht Vlies für zwei sehr unterschiedliche Aufgaben interessant, für die Filtration und für die Isoliertechnik, während es für hochbelastete mechanische Anwendungen einem Gewebe unterlegen bleibt.
Wie wird Vliesstoff hergestellt?
Die Herstellung läuft immer in zwei Schritten ab: Zuerst entsteht der Faserflor (Vliesbildung), danach wird er verfestigt. Beide Schritte bestimmen zusammen Dichte, Festigkeit und Saugfähigkeit des fertigen Vlieses.
| Verfahren | Prinzip | Typisches Ergebnis |
|---|---|---|
| Kardieren | Stapelfasern werden mechanisch auf Walzen ausgerichtet | Stapelfaservlies für Isolier- und Dämmanwendungen |
| Spinnvlies (Spunbond) | Polymer wird extrudiert und direkt zu Endlosfilamenten versponnen | Technische Vliese mit hoher Reißfestigkeit, Geotextilien |
| Meltblown | Polymerschmelze wird mit Heißluft zu Mikrofasern bis rund 1 µm verblasen | Feinstfiltervliese mit hoher Abscheidewirkung |
| Nassvlies | Kurzfasern werden in Wasser dispergiert und wie Papier abgelegt | Spezialpapiere, Glas- und Keramikfaservliese |
| Vernadelung | Widerhakennadeln verschlingen die Fasern mechanisch | Nadelfilz, Dämm- und Trägervliese mit hoher Zugfestigkeit |
| Thermobonding | Fasern werden partiell angeschmolzen und miteinander verklebt | Polyestervlies für DMD-Außenlagen |
Für Isolierlaminate ist die thermische Verfestigung die gängigste Wahl: Sie liefert ein gleichmäßiges, gut kaschierbares Vlies mit definierter Porosität, genau die Eigenschaft, die für die spätere Harzaufnahme zählt.
Zwei Kennwerte beschreiben ein technisches Vlies vollständig: das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter und die Dicke. Technische Vliesstoffe reichen von rund 10 g/m² bei feinen Filtermedien bis über 300 g/m² bei dicken Dämm- und Trägervliesen. Je höher das Flächengewicht, desto mehr Harz nimmt das Vlies später auf, aber desto dicker wird auch der fertige Laminataufbau, ein Zielkonflikt, den die Auslegung im Einzelfall abwägen muss.
Die Faserausrichtung entscheidet zusätzlich über die Festigkeit in die eine oder andere Richtung. Bei einem wirr abgelegten Vlies verteilt sich die Reißfestigkeit gleichmäßig in alle Richtungen, isotrop. Cross-lapped-Vliese legen mehrere Lagen gekreuzt übereinander und erreichen dadurch höhere Festigkeit in Längs- und Querrichtung zugleich, allerdings bei höherem Fertigungsaufwand. Für ein Laminat wie DMD genügt die einfache, wirre Ablage, weil die tragende Festigkeit ohnehin die Folienlage übernimmt.
Welche Werkstoffe werden zu Vlies verarbeitet?
Das Ausgangsmaterial entscheidet über Temperaturbeständigkeit und Einsatzfeld. In der Elektrotechnik dominieren drei Fasertypen.
| Werkstoff | Dauertemperatur | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Polyester (PET) | bis rund 130 °C, Klasse B | DMD-Laminat, Polyesterfolien-Verbunde, Standardmotoren |
| Aramid, etwa Nomex | 220 °C und höher, Klasse H | Traktionsmotoren, siehe Nomex und Aramidpapier |
| Glasfaser | über 250 °C, nicht brennbar | Brandschutz, Hochtemperaturisolierung, siehe Flächenisolierstoffe |
| Zellulose, Naturfaser | bis rund 105 °C, Klasse A | Einfache Dämm- und Verpackungsanwendungen |
Vlies als Isolierstoff: die Trägerlage für Tränkharz
In der Elektroisolierung übernimmt Vlies fast nie die eigentliche Isolierfunktion. Diese Aufgabe erledigt eine glatte Folie oder ein Papier, das Vlies liefert stattdessen mechanische Festigkeit und Saugfähigkeit. Sichtbar wird das in DMD-Laminat: zwei Außenlagen Polyestervlies, im Handel häufig als Dacron bezeichnet, umschließen eine Mittellage Polyesterfolie. Die Folie trägt die Durchschlagsfestigkeit, das Vlies nimmt beim späteren Tränken das Harz auf und verbindet sich damit fest mit der Wicklung. Details zu Aufbau und Dicken, typisch 0,15 bis 0,40 mm, stehen im Beitrag zum DMD-Laminat.
Diese Funktion als Harzträger entscheidet in der Praxis über die richtige Materialwahl. Wird die Wicklung im VPI-Verfahren getränkt, muss das Isoliermaterial das Harz aufnehmen und mit ihm einen festen Verbund bilden, eine glatte Folie ohne Vliesanteil tut das nicht. Deshalb setzt GOBA für die Nutisolation und die Phasenisolation häufig Vlies-Folien-Laminate wie DMD oder NMN ein, statt reiner Folie.
Nicht zu verwechseln mit Vlies sind die hochverdichteten Zellulose-Boards, die im Transformator als feste Isolierung dienen: Transformerboard und Pressspan sind fest verpresste Presspappe, kein loser Faserverbund. Beide Werkstoffgruppen stammen aus derselben Zellulosefamilie, ihre mechanischen Eigenschaften trennen Welten.
Vlies als Filtermedium: Abgrenzung zu Filtervlies und Viledon
Neben der Isoliertechnik ist Filtration das zweite große technische Einsatzfeld von Vlies. Die Faserstruktur bildet ein dreidimensionales Porensystem, das Partikel über Tiefenfiltration abscheidet, statt sie an einer definierten Lochgröße wie bei einem Sieb zurückzuhalten. Wer Filtervlies für Luft- oder Flüssigkeitsfiltration sucht, findet die technischen Details im Beitrag zu Filtervlies, Markenprodukte von Freudenberg beschreibt der Beitrag zu Viledon. GOBA schneidet und konfektioniert Filtervlies als Lohnschneiden-Dienstleistung auf Kundenmaß.
Weitere technische Anwendungen von Vlies
Neben Isolierung und Filtration taucht Vlies in vielen weiteren Feldern auf:
- Dämmung in Bauwesen und Automobil, meist als Faservlies auf Glas- oder PET-Basis
- Kernmaterial in Sandwich- und Verbundaufbauten, wo es Harz aufnimmt und Gewicht spart, siehe auch Composite schneiden
- Schutz- und Trennlagen bei Transport und Montage empfindlicher Bauteile
- Hygieneprodukte und medizinische Einwegware, außerhalb des GOBA-Fokus
Diese Breite erklärt, warum die generischen Suchanfragen zu Vlies und Vliesstoff über Branchen streuen, die mit Elektroisolierung nichts zu tun haben. GOBA konzentriert sich auf die technische Rolle von Vlies in Isolierstoffen und Verbunden für die Elektroindustrie.
Vlies, Gewebe und Filz im Vergleich
| Merkmal | Vlies | Gewebe | Filz |
|---|---|---|---|
| Faserausrichtung | regellos oder lagenweise | gekreuzte Kett- und Schussfäden | verwalkt, regellos |
| Festigkeit | mittel, richtungsabhängig | hoch, definiert | mittel, isotrop |
| Kosten | niedrig | höher durch Webprozess | mittel |
| Typischer Einsatz | Isolierlaminate, Filter, Dämmung | Glasgewebe-Laminate, hochbelastete Bauteile | Dichtungen, Dämpfung |
Reicht Vlies allein als Isolierstoff, oder braucht es ein Laminat?
Reines Vlies erreicht als Isolierstoff keine nennenswerte Durchschlagsfestigkeit. Seine offene Porenstruktur lässt Luft und damit auch Feuchtigkeit durch, beides senkt die elektrische Festigkeit. Für Anwendungen mit Spannungsbelastung braucht es deshalb immer die Kombination mit einer geschlossenen Folie oder einem Papier, wie im DMD- oder NMN-Laminat. Als reine Trägerlage für Tränkharz, als Puffer- oder Dämpfungslage oder als Filtermedium genügt Vlies dagegen allein. Wer unsicher ist, ob eine Anwendung Vlies pur oder ein Laminat verlangt, sollte die Spannungsebene und die Feuchtebelastung im Betrieb klären, bevor er sich für ein Material entscheidet.
Vlies zuschneiden: Rollen- und Lohnschneiden
Dünnes Vlies neigt beim Schneiden zum Ausfransen, weil die losen Faserenden an der Schnittkante nicht wie bei einer Folie glatt trennen. Ein sauberer Schnitt braucht deshalb die passende Klingengeometrie und Schnittgeschwindigkeit, abgestimmt auf Faserart und Flächengewicht. GOBA schneidet Vlies und Vlies-Laminate im Lohnschneiden von der Meterware bis zum konfektionierten Zuschnitt, auf Rollen oder als Einzelteil nach Zeichnung.
GOBA Fazit
Vlies liefert selten die Isolierfunktion selbst. Es ist die Trägerlage, die ein Laminat erst verarbeitbar und tränkbar macht. Diese Rolle kennt GOBA aus jahrzehntelanger Arbeit mit Isoliermaterialien für Motoren und Transformatoren. Wir schneiden und konfektionieren technische Vliesstoffe und Vlies-Laminate über Lohnschneiden auf Kundenmaß, von der Rolle bis zum fertigen Zuschnitt. Für Sonderaufbauten und kleine Stückzahlen sprechen Sie uns über kundenspezifische Produkte an.


