Filtervlies
Filtervlies bezeichnet ein poröses Flächenfiltermedium, das zur Abscheidung von Partikeln aus Gasen oder Flüssigkeiten eingesetzt wird. Filtervliese bestehen aus ungeordneten oder gezielt orientierten Fasern, die mechanisch, thermisch oder chemisch miteinander verbunden sind. Die Filtration erfolgt über die Faserstruktur des Vlieses und nicht über definierte Lochstrukturen.
Filtervliese werden in der Industrie zur Luftfiltration, Flüssigkeitsfiltration, Staubabscheidung, Prozessfiltration sowie zum Schutz von Maschinen, Anlagen und Produkten eingesetzt. Typische Einsatzbereiche sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Lüftungs- und Klimatechnik, die Elektrotechnik sowie die Verfahrenstechnik.
Technische Eigenschaften und Grundlagen
Aufbau von Filtervlies
Ein Filtervlies besteht aus einer Vielzahl feiner Fasern, die ein dreidimensionales Porennetzwerk bilden. Die Fasern können:
endlos oder geschnitten sein
zufällig oder lagenweise orientiert sein
mechanisch vernadelt
thermisch verfestigt
chemisch gebunden
Der Aufbau bestimmt Durchlässigkeit, Abscheidegrad, Druckverlust und Standzeit.
Funktionsprinzip der Filtration
Die Filterwirkung eines Filtervlieses basiert auf mehreren physikalischen Mechanismen:
Siebwirkung bei groben Partikeln
Trägheitsabscheidung bei höheren Strömungsgeschwindigkeiten
Diffusionsabscheidung bei sehr feinen Partikeln
Adhäsion an den Faseroberflächen
In der Praxis wirken diese Mechanismen gleichzeitig. Filtervliese sind daher Tiefenfilter und keine reinen Oberflächenfilter.
Porosität und Luftdurchlässigkeit
Die Porosität beschreibt den Anteil der Hohlräume im Filtervlies. Eine hohe Porosität ermöglicht geringe Druckverluste, reduziert jedoch den Abscheidegrad. Eine niedrige Porosität erhöht den Abscheidegrad, führt aber zu höherem Strömungswiderstand.
Die Auslegung erfolgt immer als Kompromiss zwischen Filterleistung und Energiebedarf.
Werkstoffe für Filtervlies
Synthetische Fasern
Synthetische Filtervliese bestehen häufig aus Polymerfasern.
Typische Eigenschaften:
Gute chemische Beständigkeit
Geringe Feuchtigkeitsaufnahme
Definierbare Fasergeometrie
Gute Reproduzierbarkeit
Die genaue Eignung hängt vom jeweiligen Polymer ab.
Glasfaservlies
Glasfaservlies wird eingesetzt, wenn hohe Temperaturbeständigkeit oder feine Abscheidegrade erforderlich sind.
Typische Eigenschaften:
Hohe Temperaturbeständigkeit
Sehr feine Faserstrukturen möglich
Hoher Abscheidegrad
Mechanisch empfindlich
Glasfaservlies wird häufig in Hochleistungs- und Feinstaubfiltern eingesetzt.
Naturfaservlies
Naturfasern werden in speziellen Anwendungen eingesetzt.
Typische Eigenschaften:
Begrenzte Temperatur- und Medienbeständigkeit
Biologische Abbaubarkeit möglich
Schwankende Materialeigenschaften
Der industrielle Einsatz ist stark anwendungsabhängig.
Filterklassen und Leistungsmerkmale
Abscheidegrad
Der Abscheidegrad beschreibt den prozentualen Anteil der zurückgehaltenen Partikel. Er ist abhängig von:
Partikelgröße
Strömungsgeschwindigkeit
Vliesstruktur
Filtervliese werden je nach Anwendung auf bestimmte Partikelgrößen ausgelegt.
Druckverlust
Der Druckverlust ist der Widerstand, den das Filtervlies dem strömenden Medium entgegensetzt. Ein hoher Druckverlust erhöht den Energiebedarf der Anlage.
Der Druckverlust steigt mit zunehmender Beladung des Filtervlieses.
Staubspeicherfähigkeit
Die Staubspeicherfähigkeit beschreibt, wie viel Partikelmasse ein Filtervlies aufnehmen kann, bevor der Druckverlust unzulässig ansteigt.
Filtervliese mit Tiefenstruktur besitzen eine höhere Staubspeicherfähigkeit als reine Oberflächenfilter.
Anwendungen und Einsatzbereiche
Filtervliese werden in zahlreichen industriellen Anwendungen eingesetzt:
Luft- und Raumluftfiltration
Industrielle Absauganlagen
Lüftungs- und Klimasysteme
Kabinenluftfilter
Flüssigkeitsfiltration
Prozessluftreinigung
In der Elektrotechnik dienen Filtervliese häufig dem Schutz empfindlicher Komponenten vor Staub und Partikeln.
Konstruktive Auslegung von Filtervlies
Strömungsführung
Eine gleichmäßige Anströmung ist entscheidend für die Filterleistung. Ungleichmäßige Strömung führt zu lokaler Überlastung und verkürzter Standzeit.
Mechanische Fixierung
Filtervliese müssen mechanisch fixiert werden, ohne die Faserstruktur zu beschädigen. Falten, Klemmen oder Rahmenkonstruktionen sind üblich.
Wartung und Austausch
Filtervliese sind Verschleißteile. Die Standzeit hängt von Partikelbelastung, Medium und Betriebsbedingungen ab. Eine regelmäßige Überwachung des Druckverlusts ist erforderlich.
Abgrenzung zu anderen Filtermedien
Filtervliese unterscheiden sich von Geweben, Sieben und Membranen durch ihre Tiefenfiltration. Membranfilter besitzen definierte Porengrößen, während Filtervliese ein statistisches Porensystem aufweisen.
Die Wahl des Filtermediums richtet sich nach Partikelgröße, Medium und Betriebsbedingungen.
Grenzen von Filtervlies
Filtervliese unterliegen physikalischen und werkstofflichen Grenzen:
Begrenzte Temperaturbeständigkeit
Mechanische Empfindlichkeit bei hohen Drücken
Abhängigkeit vom Medium
Alterung und Verschmutzung
Nicht jedes Filtervlies ist für Dauerbetrieb oder aggressive Medien geeignet.
GOBA Fazit
Filtervlies ist ein vielseitiges und technisch etabliertes Filtermedium für Gas- und Flüssigkeitsfiltration. Die Filterwirkung entsteht durch die Tiefenstruktur des Vlieses und die Kombination mehrerer Abscheidemechanismen.
Die Auswahl eines geeigneten Filtervlieses erfordert eine genaue Analyse der Partikelgröße, des Mediums, der Strömungsbedingungen und der Standzeitanforderungen. Eine pauschale Bewertung ist nicht möglich. Funktion, Energieeffizienz und Wartungsaufwand müssen gemeinsam betrachtet werden.
Kontaktieren Sie uns gerne, um die optimale Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.
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FAQ zu Filtervlies
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Ein Filtervlies ist ein poröses Flächenfiltermedium zur Abscheidung von Partikeln aus Gasen oder Flüssigkeiten.
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Die Filtration erfolgt durch Tiefenfiltration innerhalb der Faserstruktur.
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Filtervlies besitzt keine definierten Maschen, sondern ein statistisches Porensystem.
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Der Wechsel erfolgt, wenn der Druckverlust einen zulässigen Grenzwert erreicht.
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Die Wiederverwendbarkeit ist material- und anwendungsabhängig und nicht grundsätzlich gegeben.