Elektrische Isolatoren

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·4 Min. Lesezeit

Ein elektrischer Isolator ist ein Bauteil aus einem Werkstoff mit sehr geringer elektrischer Leitfähigkeit, das spannungsführende Teile voneinander oder von geerdeten Strukturen trennt. Wer nach dem Begriff sucht, meint meist eines von zwei sehr unterschiedlichen Dingen: den Porzellan- oder Glasisolator am Freileitungsmast, oder das Isolierteil im Gerät, das Wicklung, Leiterbahn oder Kontakt gegeneinander absichert. GOBA fertigt nur die zweite Gruppe, als Isoliermaterialien und Isolierteile für Motoren, Transformatoren und Schaltanlagen, aus Werkstoffen mit einer Durchschlagfestigkeit zwischen rund 15 kV/mm (Polyesterfolie) und 200 kV/mm (Polyimid). Dieser Beitrag grenzt beide Gruppen klar voneinander ab und zeigt, welche Werkstoffe und Kennwerte für die gerätetechnische Variante zählen.

Warum ein Isolator keinen Strom leitet

Die Elektronen eines Isolierstoffs sind fest gebunden und können sich nicht wie in einem Leiter frei bewegen. Seine elektrische Leitfähigkeit liegt dadurch um den Faktor 100.000 bis 1.000.000 unter der von Kupfer oder Aluminium. Warum Kunststoffe diese Grenze halten und welche vier Kennwerte sie dabei trennen, erklärt der Beitrag zu elektrisch isolierenden Kunststoffen. Wie widerstandsfähig ein Werkstoff gegen eine angelegte Spannung ist, beschreibt die Durchschlagfestigkeit in Kilovolt pro Millimeter. Sie entscheidet, wie dünn ein Isolierteil bei gegebener Spannung ausfallen darf, und ist damit der wichtigste Auswahlwert für jeden gerätetechnischen Isolator.

Freileitungsisolator oder Isolierteil im Gerät: wo liegt der Unterschied?

Freileitungsisolatoren hängen oder stehen am Strommast und halten den blanken Leiterseil auf Abstand zur geerdeten Traverse, bei Windlast, Regen und Verschmutzung im Freien. Dafür braucht es mechanisch stabile, wetterfeste Werkstoffe: Porzellan, Glas oder silikonbeschichtete Verbundstäbe, ausgelegt über einen langen Kriechweg, der Feuchtigkeit und Schmutz auf der Oberfläche vom direkten Weg zwischen Leiter und Mast fernhält.

Ein Isolierteil im Gerät löst eine andere Aufgabe. Es trennt Wicklungen, Nuten oder Leiterbahnen im geschlossenen Gehäuse eines Motors, Transformators oder einer Schaltanlage, ohne Wind, Regen oder UV-Last. Hier zählen Foliendicke, Wärmebeständigkeit und Durchschlagfestigkeit pro Millimeter, nicht mechanische Wetterfestigkeit. Genau deshalb bestehen Freileitungsisolatoren aus Keramik oder Glas, während Isolierteile in Geräten aus Polyesterfolie, Polyimid, Aramidpapier oder Glimmer gefertigt werden. Wer „elektrische Isolatoren“ für ein Gerät sucht, sucht in aller Regel Letzteres.

Welche Isolierteile zählt die Elektroindustrie zu den Isolatoren?

In Motoren, Generatoren und Transformatoren übernehmen mehrere, klar benannte Bauteile die Isolatorfunktion. Jedes davon hat eine feste Position und Aufgabe im Aufbau.

BauteilFunktionTypischer Werkstoff
NutisolationTrennt die Wicklung vom geerdeten Blechpaket in der StatornutPolyesterfolie, Aramidpapier, DMD-Laminat
DeckschieberVerschließt die Nutöffnung und hält die Wicklung mechanisch zurückGlasgewebe-Laminat, Pressspan
PhasentrennerTrennt einzelne Phasenwicklungen voneinanderAramidpapier, Polyesterfolie
DurchführungsisolatorFührt einen Leiter isoliert durch Gehäuse oder Deckel eines TransformatorsÖl-Papier-Isolation, Epoxidharz, Porzellan bei Hochspannung
Steckverbinder-IsolierteilTrennt Kontakte in Steckern und Klemmen elektrischer GeräteThermoplast, glasfaserverstärktes Polyamid

Der Durchführungsisolator zeigt, dass die Grenze nicht immer scharf ist: In einer kleinen Verteilstation kommt er als reines Kunststoffbauteil aus dem Gerätebau, in einer Hochspannungsstation als Porzellankörper aus der Energietechnik. Bei GOBA fällt die gerätenahe, gerätetechnische Ausführung in den Materialbereich, nicht der Freileitungsisolator.

Welche Werkstoffe verwendet GOBA für Isolierteile?

Die Wahl des Werkstoffs richtet sich nach der geforderten Durchschlagfestigkeit, der Betriebstemperatur und der mechanischen Belastung. Vier Werkstoffgruppen decken die meisten gerätetechnischen Isolieraufgaben ab.

WerkstoffDurchschlagfestigkeitTypischer Einsatz
Polyimid (Kapton)rund 200 kV/mmHochtemperatur-Nutisolation, Hairpin-Wicklungen
Glimmer100 bis 200 kV/mmHochspannungswicklungen, Generatoren
PTFErund 60 kV/mmChemisch beständige Steckverbinder-Isolierteile
Polyesterfolie (Mylar)rund 15 bis 20 kV/mmStandard-Nutisolation, Phasentrenner

Zum Vergleich: Luft erreicht unter Normalbedingungen nur etwa 3 kV/mm, deutlich weniger als jedes Foliensystem. Die vollständige Übersicht mit weiteren Werkstoffen steht im Artikel zur Durchschlagfestigkeit.

Wie wird ein Isolierteil für ein Gerät ausgewählt?

Drei Werte legen ein Isolierteil fest: die Isolierstoffklasse für die Dauergebrauchstemperatur, die Foliendicke für die geforderte Durchschlagfestigkeit bei gegebener Betriebsspannung, und die Fertigungstoleranz für die Passform im Bauraum. Wer nur das Material wählt, aber die Isolierstoffklasse übersieht, riskiert vorzeitige Alterung durch Übertemperatur, selbst wenn der Kennwert für die Spannungsfestigkeit ausreicht.

  • Isolierstoffklasse nach IEC 60085, Klasse F (155 °C) und Klasse H (180 °C) decken den Großteil der Motoren- und Transformatorenanwendungen ab.
  • Dicke im Bereich von 0,05 bis 0,5 mm für Standard-Nutisolation, abhängig von Betriebsspannung und geforderter Sicherheitsreserve.
  • Zuschnitttoleranz nach DIN ISO 2768, wichtig für Formteile, die exakt in die Statornut oder das Gehäuse passen müssen.

Eine dünnere Folie spart Bauraum und Material, senkt aber die Durchschlagfestigkeit in Volt je Bauteil. Für eng bemessene Anwendungen, etwa Hairpin-Statoren in der E-Mobility, lohnt sich deshalb ein Werkstoff mit höherer Durchschlagfestigkeit pro Millimeter statt einer einfach dickeren Standardfolie.

GOBA Fazit

Wer „elektrische Isolatoren“ für den Gerätebau sucht, braucht Folien, Papiere und Laminate mit einer definierten Durchschlagfestigkeit, kein Porzellan und kein Glas. GOBA fertigt genau diese Isolierteile seit über 60 Jahren, von der Nutisolation bis zum Phasentrenner, aus Polyesterfolie, Polyimid, Aramidpapier und Glimmer. Für Standardformate und Rollenware führt der Weg über Isoliermaterialien, für Formteile nach Zeichnung über kundenspezifische Produkte.

Haben Sie eine konkrete Anforderung?

Kontaktieren Sie uns gerne, um die optimale Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.

Passende GOBA-Leistungen

Konkrete Produkte und Services rund um dieses Thema.

Verwandte Glossar-Begriffe

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit thematisch verbundenen Artikeln.

  • Nutisolation

    Nutisolation bezeichnet die Isolation von Statornuten in elektrischen Maschinen zum Schutz der Wicklungen vor mechanischer Beschädigung.

  • Deckschieber

    Deckschieber sind isolierende Abdeckelemente in Elektromotoren und Generatoren, die Wicklungen in den Nuten sicher verschließen und schützen.

  • Durchschlagsfestigkeit & Durchschlagsspannung

    Durchschlagsfestigkeit messen und vergleichen. Werte für Luft (3 kV/mm), Transformatoröl und Kunststoffe. Prüfung nach IEC 60243.

  • Isolierstoffklassen

    Isolierstoffklassen klassifizieren Isoliermaterialien nach ihrer maximalen Betriebstemperatur gemäß DIN EN 60085.

  • Isoliermaterial

    Isoliermaterial ist ein Werkstoff mit sehr geringer elektrischer Leitfähigkeit, der spannungsführende Teile trennt und den Strom auf seinem vorgesehenen Weg hält.

  • DIN ISO 2768

    Toleranztabellen nach ISO 2768: Allgemeintoleranzen für Längenmaße, Winkel, Form und Lage. Mit Toleranzrechner, Erklärung von 2768-mK und allen Toleranzklassen.

FAQ zu elektrischen Isolatoren

Was ist der Unterschied zwischen einem Isolator und einem Leiter?

Ein Leiter wie Kupfer oder Aluminium transportiert den elektrischen Strom, weil seine Elektronen sich frei bewegen können. Ein Isolator verhindert den Stromfluss, weil seine Elektronen fest gebunden bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Isolator und einem Dielektrikum?

Isolator beschreibt die Funktion, den Stromfluss zu blockieren. Dielektrikum beschreibt eine Materialeigenschaft, die Fähigkeit, ein elektrisches Feld zu speichern, etwa im Kondensator. Die meisten Isolierstoffe sind zugleich Dielektrika, der Blickwinkel auf das Material unterscheidet sich.

Welche Isolierteile stellt GOBA für Elektromotoren her?

Unter anderem Nutisolation, Deckschieber und Phasentrenner, gefertigt aus Polyesterfolie, Aramidpapier und Glasgewebe-Laminat nach Kundenzeichnung.

Warum werden für Freileitungen andere Isolatoren verwendet als in Geräten?

Freileitungsisolatoren müssen im Freien Wind, Regen und Verschmutzung über Jahrzehnte standhalten, dafür eignen sich Porzellan, Glas und silikonbeschichtete Verbundstäbe. Isolierteile im Gerät arbeiten geschützt im Gehäuse, dort zählen Foliendicke und Durchschlagfestigkeit mehr als mechanische Wetterfestigkeit.

Welches Material hat die höchste Durchschlagfestigkeit?

Unter den gängigen Isolierteil-Werkstoffen erreicht Polyimid mit rund 200 kV/mm die höchsten Werte, gefolgt von Glimmer mit 100 bis 200 kV/mm. Details stehen im Artikel zur Durchschlagfestigkeit.