Glossar

Zugfestigkeit

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·5 Min. Lesezeit

Was ist die Zugfestigkeit Rm und wie wird sie definiert?

Definition der Zugfestigkeit im Zugversuch

Die Zugfestigkeit Rm beschreibt die maximal erreichte Zugkraft pro Flächeneinheit eines Materials, bevor es versagt. Sie wird in Megapascal (MPa) oder Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) angegeben. Der Wert wird in einem genormten Zugversuch nach ISO 6892 ermittelt, bei dem eine Materialprobe unter kontrollierten Bedingungen gedehnt wird, bis sie bricht.

Bedeutung von Rm als Werkstoffkennwert

Die Zugfestigkeit ist ein Maß für die mechanische Belastbarkeit eines Werkstoffs. Je höher die Zugfestigkeit, desto widerstandsfähiger ist das Material gegenüber Zugkräften. In vielen Konstruktionsbereichen ist es entscheidend, Materialien mit ausreichender Zugfestigkeit zu wählen, um ein sicheres und zuverlässiges Design zu gewährleisten.

Unterschied zwischen Zugfestigkeit und Streckgrenze

Während die Streckgrenze (Rp) die Spannung angibt, ab der sich ein Material plastisch verformt, bezeichnet die Zugfestigkeit Rm die Spannung, bei der es endgültig bricht. Die Zugfestigkeit ist also immer größer als die Streckgrenze.

Wie wird die Zugfestigkeit Rm berechnet und gemessen?

Formel zur Berechnung der Zugfestigkeit

Die Zugfestigkeit berechnet sich nach der folgenden Formel: Rm = Fmax / A0, wobei Rm die Zugfestigkeit in MPa oder N/mm², Fmax die maximal erreichte Zugkraft in Newton und A0 die ursprüngliche Querschnittsfläche der Probe in Quadratmillimetern ist.

Durchführung des Zugversuchs nach ISO 6892

Der Zugversuch erfolgt unter kontrollierten Bedingungen. Eine genormte Materialprobe wird in eine Prüfmaschine eingespannt und mit steigender Zugkraft belastet. Die Kraft steigt so lange an, bis das Material versagt.

Einheit der Zugfestigkeit: MPa oder N/mm²

Die Ergebnisse des Zugversuchs werden in Megapascal (MPa) oder Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) angegeben. Beide Einheiten sind äquivalent: 1 MPa = 1 N/mm².

Welche Faktoren beeinflussen die Zugfestigkeit eines Materials?

Einfluss der Werkstoffzusammensetzung auf Rm

Die Zusammensetzung eines Materials hat direkten Einfluss auf dessen Zugfestigkeit. Hochlegierte Stähle haben beispielsweise eine höhere Zugfestigkeit als reine Metalle. Auch die Feinheit des Korns und der Anteil an Kohlenstoff in Stählen spielen eine Rolle.

Auswirkungen von Wärmebehandlung und Verformung

Die Wärmebehandlung eines Werkstoffs kann seine Zugfestigkeit erheblich verändern:

  • Vergütete Stähle haben eine höhere Zugfestigkeit
  • Geglühte Metalle sind weicher und dehnen sich stärker, bevor sie versagen

Unterschiede zwischen metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen

Metalle haben in der Regel eine höhere Zugfestigkeit als Kunststoffe oder Keramiken. Typische Werte:

  • Stahl: über 1000 MPa
  • Aluminium: 50 bis 500 MPa
  • Kupfer: 200 bis 400 MPa
  • Kunststoffe: unter 100 MPa

Warum ist die Zugfestigkeit Rm für die Konstruktion wichtig?

Bedeutung für die Belastbarkeit von Bauteilen

Bauteile müssen so konstruiert sein, dass sie die im Betrieb auftretenden Zugkräfte sicher aushalten. Die Zugfestigkeit dient als Referenzwert für Ingenieure, um die Belastbarkeit eines Werkstoffs einzuschätzen.

Rm als Grenzwert für die maximale Zugspannung

Die maximale Zugspannung darf in keinem Fall die Zugfestigkeit eines Materials überschreiten, da sonst plötzlicher Bruch oder Versagen droht.

Zusammenhang zwischen Zugfestigkeit und Sicherheitsfaktoren

Konstruktionen werden immer mit Sicherheitsfaktoren versehen, um unvorhersehbare Belastungen abzufangen. Beispielsweise wird oft ein Sicherheitsfaktor von 1,5 bis 2 gewählt.

Wie verhält sich ein Material beim Erreichen der Zugfestigkeit?

Plastische Verformung und Einschnürung

Vor dem Bruch kommt es bei duktilem Material zur Einschnürung, d. h. die Probe verengt sich an einer Stelle, bevor sie reißt.

Unterschiede zwischen sprödem und duktilem Versagen

  • Duktile Werkstoffe: Dehnen sich lange, bevor sie reißen.
  • Spröde Werkstoffe: Versagen abrupt ohne sichtbare Verformung.

Bedeutung der Bruchdehnung im Kontext der Zugfestigkeit

Die Bruchdehnung gibt an, wie weit sich ein Material dehnt, bevor es reißt. Je größer die Bruchdehnung, desto besser absorbiert ein Material Energie.

Welche typischen Werte haben verschiedene Werkstoffe für die Zugfestigkeit Rm?

Typische Zugfestigkeitswerte für verschiedene Werkstoffe:

WerkstoffZugfestigkeit Rm (MPa)Werkstoffgruppe
Baustahl (S235)360 bis 510Stahl
Vergütungsstahl (42CrMo4)1000 bis 1200Stahl
Edelstahl (1.4301)500 bis 700Stahl
Aluminium (AlMgSi)200 bis 350Leichtmetall
Kupfer (Cu-ETP)200 bis 360Buntmetall
Titan (Ti-6Al-4V)900 bis 1200Leichtmetall
Polyamid (PA 6.6)70 bis 85Kunststoff
Polycarbonat (PC)55 bis 75Kunststoff
GFK (Glasfaserverstärkt)200 bis 500Verbundwerkstoff
CFK (Kohlefaserverstärkt)500 bis 1500Verbundwerkstoff

Wie unterscheidet sich die nominelle von der wahren Zugfestigkeit?

Definition der nominellen und wahren Zugfestigkeit

Die nominelle Zugfestigkeit berücksichtigt nur die ursprüngliche Querschnittsfläche, während die wahre Zugfestigkeit die Verjüngung der Probe während des Zugversuchs mit einbezieht.

Bedeutung der Querschnittsänderung während des Zugversuchs

Da sich die Querschnittsfläche eines Materials während der Belastung verändert, kann die wahre Zugfestigkeit bis zu 50 % höher sein als die nominelle.

Anwendungsbereiche für nominelle und wahre Zugfestigkeit

  • Nominelle Zugfestigkeit: Wird in technischen Berechnungen und im Maschinenbau verwendet.
  • Wahre Zugfestigkeit: Findet Anwendung in der Materialwissenschaft und Forschung.

GOBA Fazit

Die Zugfestigkeit Rm ist eine der wichtigsten mechanischen Werkstoffeigenschaften und beeinflusst direkt die Konstruktion und Sicherheit von Bauteilen. Ihre Bestimmung erfolgt durch den Zugversuch nach ISO 6892, wobei verschiedene Faktoren wie Werkstoffzusammensetzung, Wärmebehandlung und Verformung die Werte beeinflussen. Ingenieure nutzen die Zugfestigkeit, um die Belastbarkeit von Materialien zu bestimmen und ihre Konstruktionen entsprechend abzusichern.

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FAQ zur Zugfestigkeit

Was versteht man unter Zugfestigkeit?

Die Zugfestigkeit ist die maximale mechanische Spannung, die ein Material aushalten kann, bevor es reißt. Sie wird in Megapascal (MPa) oder Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) gemessen und stellt einen wesentlichen Werkstoffkennwert dar.

Was ist der Unterschied zwischen Streckgrenze und Zugfestigkeit?

Die Streckgrenze kennzeichnet den Punkt, ab dem sich ein Material dauerhaft verformt. Die Zugfestigkeit dagegen gibt die maximale Zugspannung an, die ein Werkstoff tragen kann, bevor er bricht. Die Zugfestigkeit liegt immer höher als die Streckgrenze.

Was ist Rm N/mm²?

Rm bezeichnet die Zugfestigkeit eines Materials und wird in Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) oder Megapascal (MPa) ausgedrückt. Sie beschreibt die maximale Zugkraft je Flächeneinheit, die ein Werkstoff vor dem Versagen aushält.