Polyethylen (PE)

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·4 Min. Lesezeit

Polyethylen (PE) ist ein teilkristalliner Thermoplast aus Ethylen-Monomeren, der je nach Kettenaufbau in fünf Typen von PE-LD bis PE-X in den Handel kommt. Elektrisch gehört PE zu den besten Isolierstoffen unter den Massenkunststoffen: Durchgangswiderstand über 10¹⁶ Ω·cm, Dielektrizitätszahl rund 2,3 und einer der niedrigsten Verlustfaktoren unter technischen Kunststoffen. Für Lebensmittelkontakt gilt PE als unbedenklich, es ist chemisch inert und enthält keine Weichmacher. Dieser Beitrag erklärt die PE-Typen, ihre Kennwerte und die vier Anwendungen, in denen GOBA Polyethylen als Bahnware aus dem Sortiment der Isoliermaterialien schneidet: Batterieseparatoren, Schutzfolien, Schaumstoffbänder und Filtervliese.

Hochdruck oder Niederdruck: das Verfahren legt die Kettenstruktur fest

Polyethylen gehört zur Gruppe der Polyolefine und entsteht durch Polymerisation von Ethylen (C₂H₄). Es besteht ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff und ist mit weltweit über 100 Millionen Tonnen Jahresproduktion der meistproduzierte Kunststoff überhaupt.

Zwei Herstellverfahren bestimmen die spätere Molekülstruktur: Das Hochdruckverfahren (rund 2.000 bar, radikalische Polymerisation) erzeugt verzweigte Ketten und damit PE-LD. Das Niederdruckverfahren mit Ziegler-Natta- oder Metallocenkatalysatoren erzeugt lineare Ketten und damit PE-HD. Aus diesem Unterschied in der Kettenstruktur, nicht aus einer anderen Chemie, leiten sich fast alle Eigenschaftsunterschiede zwischen den PE-Typen ab.

Welche Polyethylen-Typen gibt es?

Die Dichte ist der schnellste Indikator für den PE-Typ, weil sie direkt vom Verzweigungsgrad der Molekülketten abhängt. Je linearer die Kette, desto dichter packt sich das Material und desto härter und steifer wird es.

TypDichteMerkmalTypische Anwendung
PE-LD (Low Density)0,915 bis 0,935 g/cm³Stark verzweigt, flexibel, transparentFolien, Schrumpffolien
PE-LLD (Linear Low Density)ähnlich PE-LDLinear mit kurzen Seitenketten, höhere Reißfestigkeit als PE-LDDünnwandige, zähe Folien
PE-HD (High Density)0,94 bis 0,97 g/cm³Kaum verzweigt, steif, chemisch beständigFormteile, Rohre, Behälter
PE-UHMW (Ultra High Molecular Weight)0,93 bis 0,94 g/cm³Molmasse 3 bis 6 Millionen g/mol, extrem abriebfestGleitelemente, Verschleißteile
PE-X (vernetzt)je nach BasistypChemisch quervernetzt, hitzebeständiger und formstabilerRohrleitungen, Kabelisolierung

Für Zuschnitt und Konfektionierung sind vor allem PE-LD und PE-LLD relevant: Beide lassen sich in dünnen Bahnen präzise schneiden und rollen, ohne bei der Handhabung zu reißen.

Welche elektrischen Eigenschaften hat Polyethylen?

PE zählt zu den besten elektrischen Isolierstoffen unter den Standardkunststoffen, was seinen unpolaren, rein aus Kohlenstoff und Wasserstoff aufgebauten Molekülketten geschuldet ist. Ohne polare Gruppen in der Kette gibt es kaum Angriffspunkte für Ladungsverschiebungen, und genau das macht den elektrischen Verlustfaktor so niedrig.

KennwertTypischer Wert PE
Durchschlagfestigkeit20 bis 45 kV/mm (Normprüfkörper), dünne Folien deutlich höher
Spezifischer Durchgangswiderstandüber 10¹⁶ Ω·cm
Dielektrizitätszahl (εr)rund 2,3, nahezu frequenzunabhängig
Dielektrischer Verlustfaktor (tan δ)etwa 2 × 10⁻⁴, einer der niedrigsten Werte unter technischen Kunststoffen

Zum Vergleich: Polyimid erreicht mit über 200 kV/mm eine deutlich höhere Durchschlagfestigkeit und hält weit höhere Temperaturen aus, ist dafür teurer und aufwendiger zu verarbeiten. PE punktet dort, wo die Temperaturanforderung moderat bleibt und der niedrige Verlustfaktor zählt, etwa bei Hochfrequenzanwendungen. Einen breiteren Überblick über isolierende Kunststoffe und ihre Auswahlkriterien liefert elektrisch isolierende Kunststoffe.

Wo verarbeitet GOBA Polyethylen?

Als eigenständiges Isoliermaterial für Motoren oder Transformatoren verarbeitet GOBA kein PE. Gefragt ist es dort, wo seine Kombination aus mechanischer Zähigkeit, chemischer Beständigkeit und geringem Gewicht zählt. Vier Anwendungen laufen im Zuschnitt regelmäßig durch:

  • Batterieseparatoren: PE-Separatoren, einschichtig und mehrschichtig, für Standard- und Hochleistungszellen. Die mikroporöse Struktur trennt Anode und Kathode und lässt gleichzeitig Ionen durch.
  • Schutzfolien: PE-Schutzfolien sind der Klassiker unter den Oberflächenschutzfolien, temporär klebend und in verschiedenen Klebkräften verfügbar.
  • Schaumstoffbänder: PE-Schaum ist leicht, geschlossenzellig und chemisch beständig, eingesetzt für Dämmung und Polsterung.
  • Filtervliese: PE-Filtervliese bilden zusammen mit PP- und PET-Vliesen die Basis vieler Standard-Filtrationssysteme.

In allen vier Fällen liefert GOBA den präzisen Rollen- oder Bogenzuschnitt aus Kundenmaterial oder Vorprodukten, nicht die PE-Rohware selbst. Details zu Materialbreiten und Toleranzen finden sich auf der jeweiligen Zuschnittseite und auf Isoliermaterialien.

Polyethylen im Vergleich zu anderen Thermoplasten

Polypropylen (PP) ist der nächste Verwandte: chemisch ähnlich beständig, aber steifer und mit höherer Dauergebrauchstemperatur, dafür etwas spröder bei Kälte. PVC bringt durch seine polare Chlor-Kohlenstoff-Bindung eine höhere Festigkeit, aber einen deutlich schlechteren Verlustfaktor als PE und ist deshalb für Hochfrequenzanwendungen ungeeignet. Wer die vollständige Einordnung von PE innerhalb der Thermoplast-Familie sucht, findet sie unter Thermoplaste.

Ist Polyethylen gesundheitsschädlich?

Nein. PE ist chemisch inert, enthält keine Weichmacher oder Bisphenol A und gilt als lebensmittelecht, weshalb es breit für Verpackungen und Trinkflaschen zugelassen ist. Gesundheitlich relevant wird es erst bei unsachgemäßer Verbrennung: Dabei entstehen Kohlenmonoxid und andere Verbrennungsgase, die wie bei den meisten Kunststoffen giftig sein können. Für den bestimmungsgemäßen Gebrauch, auch im Lebensmittel- und Medizinkontakt, besteht kein Risiko.

GOBA Fazit

Polyethylen ist kein Ersatz für Hochleistungsisolierstoffe wie Polyimid oder Mica, wo es um hohe Temperaturen oder maximale Durchschlagfestigkeit geht. Seine Stärke liegt in der Kombination aus niedrigem dielektrischen Verlustfaktor, chemischer Beständigkeit und geringem Gewicht, kombiniert mit einem Materialpreis, der PE für großflächige Anwendungen wie Batterieseparatoren, Schutzfolien und Filtervliese wirtschaftlich macht. Für Zuschnitt und Konfektionierung aus Kundenmaterial ist GOBA der richtige Ansprechpartner.

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Verwandte Glossar-Begriffe

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  • Thermoplaste

    Thermoplaste sind Kunststoffe, deren Molekülketten nur physikalisch zusammenhalten. Sie erweichen bei Wärme, erstarren beim Abkühlen und lassen sich beliebig oft umformen.

  • Elektrisch isolierende Kunststoffe

    Elektrisch isolierende Kunststoffe sind Polymere mit einem spezifischen Durchgangswiderstand über 10¹¹ Ω·cm, die spannungsführende Teile trennen. Kennwerte, Vergleich und Auswahl.

  • Polyimid (PI)

    Polyimid ist eine Klasse aromatischer Hochleistungskunststoffe mit Imidgruppen in der Hauptkette, die keinen Schmelzpunkt hat, dauerhaft 220 bis 240 °C aushält und als Folie bei 25 µm rund 300 kV/mm erreicht.

  • Polypropylen Folien

    Polypropylen-Folien (PP-Folien) sind vielseitige Kunststofffolien aus thermoplastischem Polypropylen mit hoher Festigkeit und chemischer Beständigkeit.

FAQ zu Polyethylen

Ist Polyethylen elektrisch isolierend?

Ja. PE hat einen spezifischen Durchgangswiderstand von über 10¹⁶ Ω·cm und einen der niedrigsten dielektrischen Verlustfaktoren unter technischen Kunststoffen, was es besonders für Hochfrequenzanwendungen geeignet macht.

Was ist der Unterschied zwischen HDPE, LDPE und LLDPE?

Der Unterschied liegt im Verzweigungsgrad der Molekülketten. PE-HD ist kaum verzweigt, dicht und steif. PE-LD ist stark verzweigt, weniger dicht und flexibel. PE-LLD ist linear mit kurzen Seitenketten und dadurch reißfester als PE-LD bei ähnlicher Dichte.

Ist Polyethylen giftig?

Nein, PE ist chemisch inert und enthält keine Weichmacher. Es gilt als lebensmittelecht. Gesundheitsschädliche Gase entstehen nur bei unsachgemäßer Verbrennung, nicht bei bestimmungsgemäßem Gebrauch.

Was ist PE-UHMW?

PE-UHMW (Ultra High Molecular Weight) hat eine Molmasse von 3 bis 6 Millionen g/mol, deutlich mehr als Standard-PE. Das macht es extrem abriebfest und wird für Gleit- und Verschleißteile eingesetzt.

Wofür verarbeitet GOBA Polyethylen?

GOBA schneidet PE für Batterieseparatoren, Schutzfolien, Schaumstoffbänder und Filtervliese zu, jeweils aus Kundenmaterial oder Vorprodukten in der gewünschten Rollen- oder Bogenbreite.

Bis zu welcher Temperatur ist Polyethylen einsetzbar?

Standard-PE ist von etwa minus 85 °C bis plus 90 °C einsetzbar, je nach Typ. Für höhere Dauergebrauchstemperaturen ist vernetztes PE-X oder ein anderer Isolierstoff wie Polyimid die bessere Wahl.