Polypropylen-Folien (PP-Folie)

Verfasst: GOBA Redaktion·1. März 2026·6 Min. Lesezeit

Polypropylen-Folien, kurz PP-Folien, sind Folien aus dem teilkristallinen Thermoplast Polypropylen, die entweder ungereckt als Castfolie (CPP) oder in Längs- und Querrichtung gereckt als BOPP hergestellt werden. Mit einer Dichte von rund 0,90 g/cm³ sind sie die leichteste gängige Kunststofffolie, dauerhaft halten sie 100 °C aus. In der Elektrotechnik wird PP-Folie wegen ihres Verlustfaktors gekauft: Bei 1 kHz liegt er bei 1 bis 5 × 10⁻⁴, das ist zehn- bis hundertmal weniger als bei PET-Folie. Dieser Artikel zeigt, wann PP die bessere Isolierfolie ist und wann Sie zu Polyester greifen sollten. Als Schnittrollen konfektionieren wir PP-Folien im Lohnschneiden ab 5 mm Breite.

PP-Folie bei GOBA: Lieferformen, Dicken und Anfrage

GOBA liefert PP-Folie ab einem Stück, als Material oder als fertiges Teil nach Ihrer Zeichnung.

Lieferformen
Rolle und Schnittrolle, Zuschnitt, Stanzteil nach Zeichnung
Dicken
Nach Ihrer Vorgabe. GOBA verarbeitet Werkstoffe von 7 µm bis 3 mm.
Ausführungen
BOPP und CPP, als Schnittrolle, Zuschnitt oder Stanzteil.
Schnittrollen
Breiten von 5 bis 1.600 mm, Toleranz ±0,1 mm, Kerne mit 25, 55, 76 oder 152 mm
Stanz- und Formteile
Materialdicke 0,023 bis 3,0 mm, Abmessungen bis 1.000 × 2.000 mm
Menge
Ab 1 Stück, vom Muster bis zur Serie
Lieferzeit
Höchstens 2 Wochen, wenn das Material vorrätig ist

Das brauchen wir für Ihr Angebot

  • Zeichnung oder Maße
  • Menge
  • Werkstoff und Dicke

Bei Rollen zusätzlich Breite, Lauflänge, Kerndurchmesser, Kernmaterial (zum Beispiel Kunststoff) und Toleranzen.

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Giuseppe Juliano

Ihr Ansprechpartner

Giuseppe Juliano, Technische Beratung

+49 7153 9439 16 · juliano@goba.de

BOPP, OPP und CPP: zwei Herstellwege, drei Namen

Beide Folientypen entstehen durch Folienextrusion, sie trennen sich erst danach. Die Castfolie kühlt direkt auf einer Walze ab und bleibt ungereckt. Die BOPP-Folie wird anschließend in beiden Richtungen verstreckt. OPP ist im Handel meist dasselbe wie BOPP. Fast 90 Prozent der PP-Folie am Markt sind biaxial gereckt.

TypHerstellungTypische DickeStärke
BOPP (OPP)längs und quer gereckt18 bis 25 µm in der Verpackung, ab 1,9 µm im Kondensatorsteif, klar, hohe Durchschlagsfestigkeit, ohne Beschichtung kaum siegelbar
CPPgegossen, ungereckt20 bis 150 µmweich, gut siegelbar, zäher bei Kälte
Technische PP-Folie und Tafelextrudiert, teils flammgeschützt25 µm bis etwa 1,6 mmstanzbar, rillbar, als Isolierbarriere einsetzbar

Für die Elektroisolierung zählen zwei Gruppen: dünne BOPP-Folie als Dielektrikum und dickere technische PP-Folie als gestanztes Isolierteil. Die Verpackungsfolie mit 20 µm ist ein anderes Produkt, auch wenn sie denselben Namen trägt. Wer PP-Folie für ein Elektroteil anfragt, sollte deshalb immer Typ und Dicke nennen.

Warum PP-Folie in der Elektrotechnik gekauft wird

Polypropylen ist unpolar. Die Molekülketten haben keine Dipole, die sich im Wechselfeld mitdrehen, deshalb wird fast keine Energie in Wärme umgesetzt. Genau das misst der Verlustfaktor tan δ. PP liegt bei 1 kHz bei 1 bis 5 × 10⁻⁴, PET bei 50 bis 100 × 10⁻⁴. Die Permittivität von 2,2 bleibt über Frequenz und Temperatur stabil, und die Folie nimmt weniger als 0,1 Prozent Wasser auf.

Daraus folgen die Anwendungen, in denen PP-Folie gesetzt ist:

  • Folienkondensatoren (MKP) für Wechselrichter, Motorantriebe und Netzfilter, metallisiert und selbstheilend
  • Separatoren in Lithium-Ionen-Zellen, einlagig oder als Trilayer PP/PE/PP
  • Zell- und Modulisolation in Batteriesystemen, wo Feuchte und Elektrolyt stören
  • Schutz- und Trennfolien, die Lösungsmitteln und Säuren standhalten müssen
  • Isolierbarrieren aus flammgeschützter PP-Folie in Netzteilen und Batteriegehäusen

Im Kondensator entscheidet der Verlustfaktor über die Eigenerwärmung bei hohen Strömen. Deshalb ist BOPP dort Standard, wie wir unter Kondensator-Isolation näher beschreiben. In der Batterie zählt die chemische Beständigkeit, und die PP-Lage im Trilayer-Separator hält die Zelle mechanisch zusammen, wenn die PE-Lage bei Übertemperatur abschaltet.

Die Durchschlagsfestigkeit von PP hängt an Dicke, Reckung und Temperatur

Für PP kursieren Werte zwischen 50 und 650 kV/mm. Alle vier Angaben stimmen, sie gehören zu unterschiedlichen Materialzuständen.

MaterialzustandDurchschlagsfestigkeitMessbedingung
PP-Platte, ungereckt, 1 mm50 kV/mmIEC 60243-1, Raumtemperatur
BOPP-Folie, 25 µm524 kV/mm25 °C
BOPP-Folie, 25 µm413 kV/mm125 °C, rund 21 Prozent weniger
BOPP-Kondensatorfolie, wenige µmmindestens 600 V/µm (DC), mindestens 350 V/µm (AC 50 Hz)23 °C

Drei Effekte stecken darin. Dünne Folien enthalten weniger Fehlstellen pro Fläche, deshalb steigt der Wert mit sinkender Dicke. Das Recken ordnet die Molekülketten und hebt ihn weiter an. Wärme senkt ihn wieder. Die Folge für die Auslegung: Rechnen Sie nie mit dem Kondensatorwert, wenn Sie einen 0,5-mm-Zuschnitt dimensionieren. Die Grundlagen stehen unter Durchschlagsfestigkeit, die Wahl der richtigen Stärke unter Werkstoffdicke.

Bei 100 °C ist Schluss: die Temperaturgrenze von PP-Folie

PP-Folie hat die niedrigste Temperaturgrenze unter den gängigen Isolierfolien. Die Werte in der Literatur reichen von 80 bis 140 °C, weil sie Unterschiedliches meinen:

TemperaturWas sie bedeutet
minus 10 bis minus 15 °CGlasübergang, darunter wird Standard-PP spröde
80 bis 85 °CNenn- und Derating-Temperatur vieler BOPP-Leistungskondensatoren
100 °CDauergebrauchstemperatur des Werkstoffs
105 °CObergrenze für PP-Folienkondensatoren
115 °CRTI flammgeschützter PP-Isolierfolie
140 °Ckurzzeitige Spitze, kein Auslegungswert
160 bis 166 °CSchmelzbereich von isotaktischem PP

Legt man die Wärmeklassen nach IEC 60085 an, erreicht blanke PP-Folie mit 100 °C nicht einmal Klasse A (105 °C). Polyesterfolie läuft in Klasse B mit 130 °C. Für Nut-, Lagen- und Phasenisolation in Motoren und Transformatoren raten wir deshalb von PP ab, dort ist Polyesterfolie oder ein Laminat die richtige Wahl. Die ganze Leiter der Klassen zeigen die Isolierstoffklassen.

PP-Folie oder PET-Folie: der direkte Vergleich

In den meisten Anfragen stehen PP und PET gegeneinander. Die Tabelle zeigt, wo jede Folie vorne liegt.

KennwertPP-FoliePET-Folie
Dichterund 0,90 g/cm³1,395 g/cm³
Dauertemperatur100 °C130 °C, Klasse B
Permittivität εr bei 1 kHz2,23,3
Verlustfaktor tan δ bei 1 kHz1 bis 5 × 10⁻⁴50 bis 100 × 10⁻⁴
Wasseraufnahmeunter 0,1 %0,3 %
Oberflächenenergie unbehandelt29 bis 30 mN/mrund 41 mN/m
Verhalten in der Kältespröde unter etwa 0 °Cmaßhaltig bis etwa minus 70 °C

Unsere Empfehlung: PP-Folie, wenn Verluste, Feuchte oder Chemikalien die Auslegung bestimmen und die Temperatur unter 100 °C bleibt. PET-Folie, wenn Wärme, Maßhaltigkeit und Verklebbarkeit zählen. Für die meisten Isolierteile in Motoren, Hausgeräten und Schaltanlagen ist das PET. Gegenüber Polyethylen ist PP steifer und etwa 20 K wärmefester, dafür bei Kälte spröder. Beide gehören zu den Thermoplasten und sind gleich unpolar.

Kleben, bedrucken, kaschieren: die niedrige Oberflächenenergie

Unbehandelte PP-Folie hat eine Oberflächenenergie von 29 bis 30 mN/m. Druckfarben und Klebstoffe brauchen je nach System 38 bis 46 mN/m, sonst perlen sie ab oder lösen sich später. Deshalb wird PP-Folie vor dem Bedrucken oder Kaschieren einer Coronabehandlung unterzogen, einer kontrollierten Koronaentladung über der Bahn. Die Wirkung lässt über Tage bis Wochen nach.

Für Klebe-Zuschnitte und Kaschierungen klären Sie deshalb vor der Bestellung:

  1. Welche Seite ist coronabehandelt, und auf welchen Wert in mN/m?
  2. Wann wurde behandelt, und wie lange lag die Rolle seitdem?
  3. Ist der Klebstoff ausdrücklich für Polyolefine freigegeben?
  4. Lässt sich die Verbindung mechanisch lösen, etwa durch Einlegen oder Klemmen?

Für Verbunde aus PP und anderen Lagen finden Sie mehr unter Kaschierfolie.

Standard-PP brennt, flammgeschützte PP-Folie nicht

Standard-Polypropylen erreicht nach UL 94 nur die Klasse HB und ist ohne UV-Stabilisator für den Außeneinsatz ungeeignet, es versprödet unter Sonnenlicht. Für Isolierteile in Geräten gibt es flammgeschützte PP-Folien. Ein bekanntes Beispiel ist Formex GK: UL 94 V-0, Dicken von 0,127 bis 1,57 mm, RTI 115 °C und eine Kriechstromfestigkeit von CTI über 600 V. Diese Folien lassen sich rillen und zu räumlichen Barrieren falten, ohne an der Biegekante zu reißen. Typische Teile sind Einlagen in Netzteilen, Abdeckungen an Stromschienen und Barrieren in Hochvolt-Batteriegehäusen.

PP-Folie bei GOBA: Schnittrollen, Zuschnitte, Stanzteile

Wir verarbeiten PP-Folien zu Schnittrollen, Zuschnitten und Stanzteilen. Die Rohfolie ist günstig. Teuer wird sie erst durch falsche Breiten, Verschnitt an den Bahnrändern und Teile, die in der Montage nicht halten. Genau dort setzen unsere Anlagen an:

  • Schnittrollen von 5 bis 1.600 mm Breite mit ±0,1 mm Toleranz
  • Wickelkerne mit 25, 55, 76 oder 152 mm Innendurchmesser
  • Mutterrollen bis 1.000 kg, Schnittgeschwindigkeit bis 400 m/min je nach Material
  • Stanzteile aus 0,023 bis 3,0 mm Materialdicke, bis 1.000 x 2.000 mm Teilegröße

PP-Schutzfolien schneiden wir im Bereich Schutzfolie schneiden, PP-Separatoren und Trilayer-Separatoren beim Batteriefolie schneiden. Isolierbarrieren und Formteile aus PP entstehen beim Stanzen und Formen. Wenn Sie zwischen PP und einem anderen Werkstoff schwanken, schicken Sie uns Zeichnung, Einsatztemperatur und Spannung. Wir empfehlen dann die Folie, die zur Anwendung passt, auch wenn es nicht PP ist.

GOBA Fazit

PP-Folie ist die verlustärmste und leichteste Folie im Isolierstoffbereich und die schwächste, wenn es warm wird. Wer sie über den Verlustfaktor und die 100-°C-Grenze auswählt, macht selten einen Fehler. Im Kondensator, in der Batteriezelle und als chemisch beständige Schutzfolie ist sie erste Wahl, in der Motorwicklung nicht. Den Überblick über alle Werkstoffe, die wir verarbeiten, gibt unsere Seite zu Isoliermaterialien.

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Kontaktieren Sie uns gerne, um die optimale Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.

Verwandte Glossar-Begriffe

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit thematisch verbundenen Artikeln.

  • Polyesterfolie

    Polyesterfolie ist biaxial orientierte PET-Folie (BOPET) aus Polyethylenterephthalat, die in der Elektroisolierung als Isolierstoffklasse B mit 130 °C Dauertemperatur eingesetzt wird.

  • Thermoplaste

    Thermoplaste sind Kunststoffe, deren Molekülketten nur physikalisch zusammenhalten. Sie erweichen bei Wärme, erstarren beim Abkühlen und lassen sich beliebig oft umformen.

  • Polyethylen

    Polyethylen ist das meistproduzierte Polyolefin der Welt, elektrisch gut isolierend und je nach Typ von der Batteriefolie bis zum Schutzfilm einsetzbar.

  • Dielektrische Verluste

    Dielektrische Verluste sind der Teil der elektrischen Energie, den ein Isolierstoff im Wechselfeld in Wärme umwandelt. Ihr Maß ist der Verlustfaktor tan δ, für PET-Folie bei 50 Hz rund 0,002, für PTFE rund 0,0002.

  • Kondensator-Isolation

    Kondensator-Isolation schützt vor unerwünschtem Stromfluss und ist entscheidend für Lebensdauer, Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Kondensatoren.

  • Separatorfolie

    Eine Separatorfolie ist eine funktionale Folie zur gezielten Trennung von Bauteilen, Schichten oder Medien in industriellen Anwendungen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Polypropylen-Folien

Was ist der Unterschied zwischen PP-Folie und PE-Folie?

Beide sind unpolare Polyolefine mit sehr niedrigen dielektrischen Verlusten. PP-Folie ist steifer, reißfester und dauerhaft bis 100 °C einsetzbar, PE-HD bis rund 80 °C. PE bleibt dafür in der Kälte zäh, während Standard-PP unter etwa 0 °C spröde wird.

Wie temperaturbeständig ist PP-Folie?

Dauerhaft bis 100 °C, kurzzeitig bis etwa 140 °C. Im Folienkondensator gelten 85 bis 105 °C als Obergrenze, flammgeschützte PP-Isolierfolien erreichen einen RTI von 115 °C. Für Wärmeklasse B mit 130 °C reicht PP nicht, dort ist Polyesterfolie die Wahl.

Warum werden Folienkondensatoren aus PP gebaut?

Wegen des sehr niedrigen Verlustfaktors von 1 bis 5 × 10⁻⁴ bei 1 kHz und der hohen Durchschlagsfestigkeit dünner BOPP-Folie von mindestens 600 V/µm. Metallisiert ist die Folie selbstheilend: Ein Durchschlag verdampft den Belag um die Fehlstelle, der Kondensator arbeitet weiter.

Lässt sich PP-Folie kleben und bedrucken?

Nur nach Vorbehandlung. Unbehandelt hat PP 29 bis 30 mN/m Oberflächenenergie, Druckfarben und Klebstoffe brauchen 38 bis 46 mN/m. Eine Coronabehandlung hebt den Wert an, lässt aber über Tage bis Wochen nach. Klebstoffe sollten für Polyolefine freigegeben sein.

Ist PP-Folie UV-beständig und für draußen geeignet?

Standard-PP versprödet unter Sonnenlicht. Für den Außeneinsatz brauchen Sie UV-stabilisierte oder mit Ruß eingefärbte Typen.

Welche Dicken gibt es bei PP-Folie, auch 0,5 mm?

Kondensatorfolie beginnt bei 1,9 µm, Verpackungsfolie liegt meist bei 18 bis 150 µm, technische und flammgeschützte PP-Folie reicht bis etwa 1,6 mm. Ab einigen Zehntel Millimetern spricht der Handel oft von PP-Platte. GOBA stanzt Materialdicken von 0,023 bis 3,0 mm, 0,5 mm liegt also mitten im Bereich.