Der Begriff Rezyklatanteil beschreibt den prozentualen Anteil an recyceltem Material in einem Produkt oder Werkstoff. Er gibt an, wie viel der eingesetzten Rohstoffe aus Recyclingprozessen stammt und nicht aus primären Quellen wie Erdöl, Erz oder Holz.
Einfach gesagt: Der Rezyklatanteil zeigt, wie nachhaltig ein Produkt gefertigt wurde, weil es den Einsatz von Primärrohstoffen reduziert und gleichzeitig Abfälle in den Produktionskreislauf zurückführt.
In der Elektroindustrie, im Automobilbau und in der Kunststoffverarbeitung gewinnt dieser Kennwert zunehmend an Bedeutung: nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus regulatorischen und wirtschaftlichen Gründen.
Grundlagen und Berechnung
Der Rezyklatanteil wird in Prozent angegeben. Beispiel: Enthält ein Kunststoffbauteil 30 kg Gesamtmasse, davon 9 kg Rezyklat, ergibt sich ein Rezyklatanteil von 30 %.
Rezyklatanteil = (Masse des Rezyklats / Gesamtmasse des Produkts) × 100 %
Arten von Rezyklat
- Post-Consumer-Rezyklat (PCR): stammt aus dem Endverbraucherbereich, etwa recycelte PET-Flaschen.
- Post-Industrial-Rezyklat (PIR): Produktionsabfälle, Verschnitt oder Ausschuss, die direkt wiederverwertet werden.
- Closed-Loop-Recycling: Material verbleibt im gleichen Anwendungsfeld, z. B. PET-Flasche zu neue PET-Flasche.
- Open-Loop-Recycling: Einsatz in anderer Anwendung, z. B. PET-Flasche zu Polyesterfaser.
Normen und Richtlinien
Für die Definition und den Nachweis des Rezyklatanteils existieren verschiedene Normen und Standards:
- ISO 14021: Umweltbezogene Begriffe, u. a. „recycelt“ und „Rezyklatanteil“.
- DIN EN 15343: Nachweisbarkeit und Rückverfolgbarkeit von Kunststoff-Recycling.
- DIN EN ISO 14067: Carbon Footprint von Produkten.
- DIN ISO 14024: Umweltzeichen und Label.
- DIN EN 45557: Allgemeine Methoden zur Berechnung von Anteilen rezyklierter Materialien.
In vielen Branchen verlangen Kunden und Gesetzgeber transparente Nachweise für den Rezyklatanteil, etwa durch Zertifikate, Auditberichte oder Produktdeklarationen.
Rezyklatanteil in der Elektro- und Automobilindustrie
- Elektroisolationsindustrie: Werkstoffe wie Polyesterfolien (HOSTAPHAN, Mylar), Polypropylenfolien oder technische Kunststoffe können definierte Rezyklatanteile enthalten, sofern elektrische und mechanische Eigenschaften nicht beeinträchtigt werden.
- Automobilindustrie: Hersteller verpflichten Zulieferer zunehmend, Bauteile mit dokumentiertem Rezyklatanteil einzusetzen. Insbesondere Interieur- und Kunststoffteile müssen Mindestanteile an PCR-Materialien enthalten.
- Kabelisolierungen: Einsatz von Rezyklaten in PVC oder PE-Isolationen erfordert strenge Prüfung der Durchschlagsfestigkeit, des Isolationswiderstands und der Alterungsbeständigkeit.
- Gehäuse- und Strukturteile: Thermoplaste wie Polyamid oder Polypropylen lassen sich mit Rezyklatanteilen einsetzen, solange mechanische und thermische Kennwerte den Normen entsprechen.
Vorteile und Herausforderungen
Vorteile
- Reduzierung von CO2-Emissionen und Rohstoffverbrauch.
- Erfüllung regulatorischer Vorgaben und Nachhaltigkeitsziele.
- Imagegewinn durch ökologische Transparenz.
- Senkung der Materialkosten (bei stabiler Qualität).
Herausforderungen
- Schwankende Materialqualität bei PCR-Rezyklaten.
- Notwendigkeit zusätzlicher Prüfungen (elektrische Festigkeit, Alterung).
- Kompatibilität mit bestehenden Prozessen und Normen.
- Dokumentationspflichten und Zertifizierung.
Praxis und Berechnungsbeispiele
- PET-Folie: Eine 100-Mikrometer-Folie mit 20 % Rezyklatanteil (PCR) wird für Elektroisolierzwecke getestet. Entscheidend ist die elektrische Durchschlagsfestigkeit, die mindestens auf dem Niveau der Primärfolie liegen muss.
- Kabelisolierung aus PVC: 15 % Rezyklatanteil können unkritisch sein, solange Weichmacheranteile und Reinheit gesichert sind.
- Kunststoffgehäuse (PA66 mit 30 % Glasfaser): Einsatz von PIR-Material kann wirtschaftlich sinnvoll sein, muss aber mechanisch geprüft werden.
GOBA Fazit
Der Rezyklatanteil ist heute eine Schlüsselkennzahl für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Industrie. Für technische Anwendungen in Elektrotechnik und Automotive gilt: Rezyklate sind sinnvoll, müssen aber qualifiziert geprüft werden, um elektrische, thermische und mechanische Anforderungen sicherzustellen. Nur so kann der Spagat zwischen Umweltschutz, Kostenoptimierung und Normensicherheit gelingen.
